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Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

Dienstag, 27. Januar 2015

Wat Thang Sai - gestern Fluch, heute Segen für Ban Krut

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Letzten Sonntag wurde das 10-jährige Bestehen des Wahrzeichens von Ban Krut, dem Wat Thang Sai oder Pramahatart Chedi Pakdepragard, einem von König Bhumipol ausgewählten Namen, gefeiert. Unter dem Motto „City of Angels“ kleideten sich je 500 Frauen und Männer in alte und moderne thailändische Festkleider, richtige Flügel hatten aber nur wenige montiert.

Wat Thang Sai Ban Krut
Einmarsch der Engel zum 10-jährigen Jubiläum des Wat Thang Sai. 
Mit dem Bau des Wat Thang Sai wurde 1996 begonnen, vordergründig um das 50. Thronjubiläum des Königs zu ehren. Der grosse Buddha, sein Name ist Phra Phut Takitti Sirichai, war bereits 1993 fertigstellt worden. Zu seinen Füssen liegt der Schrein des Prinzen von Chumphon, er war ein Sohn von König Rama V. und der Gründer der Royal Thai Navy.

Wat Thang Sai Ban Krut
Engelsparade zum Fest. 
Eigentlich erstaunlich, dass nur so wenige uns bekannte Gesichter Ban Krut’s, abgesehen von der beinahe vollzählig anwesenden Farang Gemeinde, zu sehen waren. Weniger erstaunlich, wenn man die Hintergründe kennt.

Der Wat verdankt sein Entstehen zwei seinerzeit geplanten Elektrizitätswerken, welche mit Kohle aus Australien und Indonesien befeuert werden sollten, eines in Ban Nok bei Kui Buri und ein anderes unweit des Hügels, auf dem der Wat steht.

Wat Thang Sai Ban Krut
Eine Szene wie aus dem 18. Jahrhundert, nur das Smartphone stört etwas.
Bald nach Bekanntwerden des Vorhabens, formierte sich Widerstand in der lokalen Bevölkerung. Die Dreckschleudern machten den Fischern und Bauern Angst um ihre Einkünfte. Von Tourismus war damals, als gerade erst Ko Samui als Reiseziel entdeckt wurde, noch wenig die Rede.

Wat Thang Sai Ban Krut
Blick vom Wat Thang Sai auf den Strand, an dem die Anlegestelle für Kohle gebaut worden wäre. 
In langem Kampf und unterstützt von Greenpeace erreichte die Bevölkerung, dass der damalige Premier Thaksin das Projekt schliesslich begrub. Doch die Geschichte hatte nicht nur ein Happy End mit einem neuen Tempel aus Marmor und einer Solaranlage für den Wat Thong Chai im Dorf selbst. 

Während ersten vorbaulichen Tätigkeiten patroullierten bewaffnete Männer auf Pickups durch das Dorf. Der Anführer der Protestbewegung, Charoen Wat-aksorn wurde 2004 beim Aussteigen aus einem Bus ermordet.

Viele der Einheimischen sehen deshalb das Geschenk auch heute noch mit Misstrauen und besuchen selbst weder Wat noch Buddha Statue.

Wat Thang Sai Ban Krut
Der 12 Meter hohe Buddha blickt heute friedlich über den Golf von Thailand. 
Und doch profitiert das Dorf heute vom Wat Thang Sai. All die Busladungen von Thai Touristen kommen nur deshalb nach Ban Krut. Einen Strand für eine Party mit Karaoke unter freiem Himmel würden sie auch sonst wo in Thailand finden.

Aber es profitiert auch von den westlichen Urlaubern, meine Frau und ich wären sonst nicht hier. Nur deshalb, weil es kein Kraftwerk gibt. Aber den Wat besuchen wir trotzdem gern.

Wat Thang Sai Ban Krut
Der Wat Thang Sai: guter Grund für viele Thais, nach Ban Krut zu reisen. 
Die Bevölkerung von Ban Krut kann stolz auf sich sein. Und kann den Wat einfach so nehmen. Weil Ban Krut dank ihnen heute einer der schönsten Orte am Golf von Thailand ist.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Einmal Schweiz und zurück

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Ferien von den Ferien. Tönt gut und stimmt. Nach eineinhalb Jahren wieder dorthin, wo sich beinahe 50 Jahre mein Leben abspielte. Wie fühlt sich das wohl an? 
Kuh Schweiz
Da guckst du: nach eineinhalb Jahren in Thailand Schweizer Klischees auf der Spur.
Flughafen Don Muang in Bangkok. Ann, meine Frau reist das erste Mal aus Thailand aus. Schon jetzt dick eingemummt in Jeans mit langen Hosen und geschlossenen Schuhen. Unterleibchen, Bluse, Pullover und Schal. Schliesslich gibt's ab hier nur noch Klimaanlage und gemäss Wetterprognose Ende Mai zum Trotz lausige 6 Grad in der Schweiz. 

Erstmal nach Singapur mit Air Asia. Schöner Flug, einfache Einreise und schnell zum Early Check-in der Swiss, damit wir noch die Gratis-Stadtrundfahrt mitmachen können. 

Aber oops - Stand-by

Wir haben sehr günstige Freundes-Tickets meines Schwagers, der bei der Swiss arbeitet. Der Flug ist sehr gut gebucht, wir sind trotz erfolgreichem Einchecken im Web auf Stand-by. Keine Stadtrundfahrt, dafür warten im Check-in Bereich. Ann ist tüchtig genervt. So hatte sie sich das nicht vorgestellt, ist den Tränen nahe. Das erste Mal auf grosse Reise und dann das.

Immerhin, wir dürfen mit in den Jet. Wir sehen auch vom netten Transitbereich des Changi Airports nichts, da wir keine 40 Minuten mehr bis zum Abflug haben. Hetz, hetz und wir sitzen zuhinterst im Airbus. Vorteil WC und Getränkestation gleich um die Ecke, Nachteil tüchtiges Kaltgebläse aus der Klimaanlage.

Nach gutem Essen mit geniessbarem Wein gut eingewolldeckt eingeschlafen und über Wien wieder erwacht. Wie immer kann ich auch in der Holzklasse gut schlafen. Auch Ann hat's einigermassen schlafend überstanden und lächelt mich an. 

Morgenessen und im Regen von Kloten gelandet. SMS an die Eltern, dass alles gut gegangen ist. Passkontrolle auch für Ann kein Problem, das Gepäck kommt schnell, noch durch den Zoll und da steht schon Freund und ThaiTuri Peter morgens um sieben.

Ab nach draussen, in die Kälte. Wirklich frostig und die erste Zigarette nach 12 Stunden schmeckt wie immer irgendwie anders als sonst. 

Ann ist ganz aufgeregt, kann das wirklich so kalt sein? Schon wieder drinnen, erst mal einen guten Espresso mit richtigem Croissant geniessen. Schmeckt richtig gut. 
Schmeckt und kostet ganz schön: Espresso und Gipfeli am Flughafen.
Etwas plaudern, Ann kennt und schätzt Peter schon aus unseren Treffen während seiner Ferien in Thailand. Espresso und Croissant Nummer zwei. Zahlen. Okay, das ist Schweiz - für das Geld hätten wir drei in Thailand ein Festessen genossen.

Schon sitzen wir im Auto, beinahe wäre ich auf der falschen Seite eingestiegen. Schaut doch noch gleich aus. Wie früher nach den Ferien, gleicher Stau am Limattaler Kreuz, gleiche Häuserlandschaft links und rechts, Kehrichtverbrennungsanlage Zürich vor uns. Aber da, kein Coop City mehr im ehemaligen Media Markt in Dietlikon. 

Und ganz schön grün, so richtig saftig grün ist alles, nachdem das Brüttiseller Kreuz hinter uns liegt und der Thurgau naht. Ann guckt begeistert durch die Scheibe. 

Extrem anders als Thailand, die Schweiz in Vorbeifahrt. So schön, so frisch, so aufgeräumt. So exotisch.

So exotisch und idyllisch: Am Bettenauer Weiher bei Uzwil.

Appenzell
So aufgeräumt und gepützelt: Downtown Appenzell. 

Klausenpass
So exotisch, wie gemalt, meint Ann: Bergwelt auf dem Klausen.

Willhelm Tell Denkmal
So exotisch, und aus Skandinavien importiert: Tell und sein Denkmal.

Appenzeller Chor
So exotisch, und für die Exotin: Appenzeller Chor im Garten.

So frisch und exotisch: Kuhweide bei Weinfelden.

So exotisch: Bundeshaus Bern, ohne Guards und frei zugänglich.

So exotisch: Kurzzeitälpler am Greyerzersee.
So war das 2013. Inzwischen waren wir zum zweiten Mal wieder in der Schweiz, die Exotik für Ann bleibt. Sie meint, wäre sie in der Schweiz geboren, würde sie nie woanders leben wollen. Aber jetzt dorthin hin ziehen? Nein, dafür liebt sie Thailand zu sehr. Auch wenn's nicht so sauber ist, das Land des Lächelns mitunter nicht sein Lächeln zeigt.

Ich liebe die Schweiz. Und lebe sehr gern Thailand. Weil es mir das Leben ermöglicht, das ich lebe. Nicht so aufgeräumt, aber so entspannt, so befreit von Burnout. So exotisch. 

Mittwoch, 5. November 2014

Statt Versicherung verkauft geheiratet

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Mayuree kam vor vier Jahren zum ersten Mal nach Ban Krut. Eine Kollegin, welche einen Freund aus der Gegend hatte, schlug ihr kurz vor einem, durch einen buddhistischen Feiertag verlängertem Wochenende vor, doch einmal mit ihr ins kleine Badeort zu kommen. Ein paar Tage relaxen, Seafood, Sonne, Sand und Meer geniessen.
O from Coffee next Door Ban Krut
Mayuree, genannt O mit ihrer Tochter BB
Beim Seafood geschah es. Wie am Tag zuvor hatten sie am Strand zu Abend gegessen. Noo’s Restaurant war wie jeden Abend an Feiertagen voller Bangkoker, die frischen Fisch und Meeresfrüchte genossen. Eingeholt von den Fischern, die auch jetzt wieder mit ihren Booten, aufgereiht wie eine Perlenkette und beleuchtet durch die Lichter, welche Tintenfische anlocken, am Horizont im Golf von Thailand auf Fang waren.

Sie wollten zahlen. Die Bedienung so beschäftigt, gingen sie vom Strand über die Strasse zum Kassierer neben der Küche. Der Mann war Mayuree sympathisch. Bald waren sie in ein Gespräch verwickelt, unterbrochen nur von den Kellnerinnen, welche Rechnungen für die Gäste einholten und mit Geld zurückkamen.

In Thailand wird niemand bei seinem nach der Geburt registrierten Namen gerufen. Oft hat der Rufname etwas Poetisches. Manchmal ist er ganz banal, Fon, weil’s am Tag der Geburt geregnet hat. Fon bedeutet übersetzt Regen. Und wird dann auch wieder gewechselt, bei einem Umzug in eine andere Stadt oder wie auch immer.

O ist nicht nur ein Buchstabe

Mayuree’s Rufname ist ganz simpel, O. Weder hat er eine Bedeutung, noch sonst was, sie weiss selbst nicht mehr, wie ihre Mutter darauf kam. Aber praktisch ist er schon, meint sie. 

O war noch immer beim Kassierer. Endlich bezahlt, weil die Mutter des Kassierers schon wieder aus der Küche einen scharfen Blick wirft, ihre Freundin müde ist. Kurz noch hingeworfen, am nächsten Tag vor der Abreise zum Mittagessen zu kommen. 
Schickt gemacht an einer Gala in Bangkok 2011.
Ausgecheckt, mit ihrem Honda Jazz zum Restaurant. Heute hat er Zeit, setzt sich zu ihnen an den Tisch. Sie sprechen über ihre Jobs. O und ihre Freundin arbeiten als Maklerinnen bei der AIA, einer grossen Versicherungsgesellschaft in Bangkok. Sie will ihm eine Lebensversicherung andrehen. Er braucht keine Versicherung, er will sie. Sie tauschen Adressen und Telefonnummer aus. Die beiden Freundinnen müssen gehen. Auf sie warteten an diesem Sonntag Nachmittag noch beinahe 400 Kilometer und ab Hua Hin dichter Rückreiseverkehr.

Abends um neun, O ist eben zu Hause angekommen, erhält sie ein SMS. Liebe Grüsse aus Ban Krut. Obwohl sie müde ist, kann sie nicht einschlafen. Sie denkt über ihr Leben nach. Ihre glückliche Kindheit in Khon Kaen und Korat, obwohl ihr leiblicher Vater gestorben ist, als sie noch klein war. O’s Mutter hatte wieder geheiratet, einen Lokomotivführer bei der Thailändischen Eisenbahn. Er war zu ihr und ihren Geschwistern, selten genug in Thailand, wie der richtige Vater. Leider starb er vor wenigen Jahren an Krebs.

Wie sie die Universität in Khon Kaen besuchen konnte, mit einem Bachelor für Marketing und Kommunikation abschloss, danach nach Bangkok ging und bei der AIA eine gute Stelle fand. Sie liebte die Stadt, sie bot alles, was man sich als junge Frau mit gutem Job wünschen kann und kaufte bald Auto und Haus.
Fanden sich in Ban Krut: O mit ihrem Mann Boy.
Aber irgendwie, dieser Mann hatte schon was. Der Kontakt wurde intensiver und ein Jahr später heirateten sie. Sie war 33 und der Moment stimmte. Sie zog nach Ban Krut, bald wurde sie schwanger. BB, ein Mädchen kam zur Welt. Auch wieder ein solcher Rufname. Zur Feier wurde das kleine Resort, das die Familie ihres Mannes baute, BB Resort genannt, sie zogen gleich in ein Zimmer im Hauptgebäude ein.

Sie brauchte einen Job, nur dem Kind schauen genügte nicht. Praktisch, dass die Noo’s nicht nur ein Restaurant, sondern auch viel Land besitzen. Zwischen Wohnhaus der Familie und dem 7-Eleven gab’s noch ein Stück freie Fläche, schnell war die Idee geboren, einen Coffee Shop zu bauen, so was gab’s in Ban Krut erst in zwei Resorts.

O bekam die Leitung übertragen, das Coffee Next Door öffnete vor bald zwei Jahren. Zusammen mit Yin, ihrer burmesischen Mitarbeiterin und Nanny von BB, schenkt sie nun Espresso yen mai wan und Somchit aus. BB huscht durch Shop und Gäste. Bald ist sie nicht mehr alleine, O erwartet im Januar ihr zweites Kind, einen Buben. 

Auf die Frage, ob sie Bangkok nicht vermisse nickt sie nur und strahlt zugleich.

Montag, 13. Oktober 2014

Führerschein in Thailand - schnell gemacht und man wundert sich nicht mehr

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Gut vorbereitet, auch für's Autofahren, bin ich vor bald 3 Jahren nach Thailand ausgewandert. In all den Jahren zuvor hatte ich während meines Urlaubs im Land des Lächelns immer ein Auto gemietet, schön brav den internationalen Führerschein mit dabei. Dafür hatte sich aber nie jemand interessiert, bei verschiedenen Schnellfahrgelegenheiten war nur der Schweizer Führerschein genehm, die 200 Baht Bakschisch Bussen schnell abgetan.

Thailändischer Führerschein
Thai Führerschein, schnell gemacht und man wundert sich nicht mehr. 
Aber klar, eigentlich wird von Gesetzes wegen der Internationale Schein gefordert, also habe ich den kurz vor Abreise erneuern lassen. Er hat aber den Nachteil, dass er im Gegensatz zum nationalen Führerschein ein Ablaufdatum trägt und auch vorgeschrieben wird, das nach mehr als 3 Monaten Aufenthalt in Thailand ein Inländischer Schein notwendig ist.

Kandidaten für einen Führerschein sollen volle 2 Tage für Ausbildung und Prüfung bei einem Office des Department of Transport verbringen.

Am ersten Tag müssen sie Sehtest und Reaktionsprüfung überstehen. Anschliessend erfolgt eine 4-stündige Schulung über die Strassenverkehrsordnung und über defensives Fahren. Danach kann die Theorieprüfung in Thai, Englisch oder Japanisch abgelegt werden. Ausserhalb von Bangkok allenfalls nur in der Landessprache. Bei Nichtbestehen ist am selben Tag eine Wiederholung erlaubt.

Nach erfolgreicher bestandener Prüfung wird der Bewerber für die praktische Prüfung zugelassen. Sie muss innerhalb von 90 Tagen erfolgen.

Am zweiten Tag wird den Kandidaten das Prüfungsverfahren erklärt. Gerade aus vorwärts und rückwärts fahren, seitlich und rückwärts parken.

Nach Bestehen wird der provisorische, ein Jahr gültige Führerschein ausgestellt. Wer nicht erfolgreich ist, kann die Prüfung frühestens nach 3, spätestens nach 90 Tagen wiederholen.


Unterwegs in Thailand, auch seltsame Gefährte sind keine Seltenheit.
Okay, dachte ich, nach 30 Jahren Autofahren in der Schweiz werde ich mir wohl nicht so was antun müssen. Aber klar, Ausländer, welche schon einen Führerschein vom Heimatland haben, kriegen das Thailändische Pendant im abgekürzten Verfahren. 

So gibt's den Thailändischen Führerschein

Wer festen Wohnsitz hat und das gelbe Hausbuch, Tabien Baan, eine Meldebestätigung der Immigration oder eine Arbeitsgenehmigung nachweisen kann, braucht dazu dieses:

  • Original und Kopien von Reisepass mit Visum Seite
  • Internationalen Führerschein oder, aufwändiger und teurer, übersetzter und vom Ministry of Foreign Aiffairs in Bangkok beglaubigter nationaler Führerschein mit Kopie
  • Gesundheitszeugnis eines Arztes, das Medical Certificate wird in jeder Klinik ausgestellt
  • Für Auto und Motorrad gibt es verschiedene Ausweise, wer beides will, muss beides beantragen und entsprechend auch alle Kopien in zweifacher Ausführung dabei haben

Auf dem Strassenverkehrsamt wird nach Vorweisen der Dokumente und Ausfüllen eines Formulars Seh- und Reaktionsvermögen getestet. 

Das ist dann meist schon alles. Wer Pech hat, muss sich noch eine Stunde Verkehrsregeln auf Thai anhören. Sonst in die Fotokammer und kurz darauf wird die Lizenz im Kreditkartenformat ausgedruckt, provisorisch und für ein Jahr gültig.

Nach dem einen Jahr geht's wieder aufs Amt, je nach dem, wo es ist, wird dann einfach ein neuer Ausweis, diesmal für 5 Jahre, ausgestellt oder man muss wieder Seh- und Reaktionstest überstehen.

In der Provinz geht's einfach und schnell

Ich habe meinen Ausweis auf dem Strassenverkehrsamt in Bang Saphan erhalten. Als ich mein Zweite Hand Motorrad auf meinen Namen eintragen liess, hatte ich mich danach erkundigt. Die freundliche Dame meinte, wenn ich ihr Pass, Hausbuch und Gesundheitszeugnis zeige, wär' das in 10 Minuten getan. Der Schweizer Führerschein wäre schon in Ordnung, sie bräuchte das internationale Teil nicht und auch keine Übersetzung.

Zufälligerweise hatte ich alles dabei, musste nur noch kurz zum Arzt. Das Medical Certificate gab's auch gleich, dafür muss man auch nicht den Arzt sehen. Die Empfangsdame füllt ein Papier aus, man bezahlt, in meinem Fall 80 Baht, das wars.

Zurück auf dem Strassenverkehrsamt machte die Dame gleich auch die Kopien selbst, hielt mir ein paar leicht vergilbte Karten mit Zahlen hin, die ich erkennen musste. Schon sass ich auf dem Drehstuhl fürs Foto. Ein Jahr später erhielt ich dann den 5-Jahres Ausweis ohne weiteres zutun.

Der Führerschein kann in Thailand auf jedem Strassenverkehrsamt erworben werden, egal wo man wohnt. Aus meiner Erfahrung nicht die schlechteste Idee, ihn irgendwo in der Provinz zu machen. 

Bei Prüfungen für den Motorradführerschein ist angeblich der häufigste Grund für Nichtbestehen, dass die Kandidaten ohne Helm losfahren.

Internationaler Führerschein in Thailand

Wer seinen Wohnsitz in Thailand hat, kann, beispielsweise als Schweizer in der Schweiz, keinen internationalen Führerschein mehr erhalten. Inhaber eines Thailändischen Führerscheins können aber in Thailand selbst einen internationalen Führerschein beim Department of Land Transport in Bangkok beantragen. Das Amt liegt nahe beim Chatuchak Weekend Market. 

Diese Unterlagen werden benötigt:

  • Reisepass mit Kopie, inklusive Seite mit Visum
  • 2 Passbilder, nicht älter als 6 Monate, 2 inches gross
  • Thailändischer Führerschein plus Kopie
  • Wohnsitzbescheinigung von Botschaft/Konsulat oder eine Arbeitsgenehmigung mit Kopie

Der internationale Führerschein ist ein 1 Jahr gültig. Wer auch einen Motorradführerschein hat, sollte darauf achten, das dieser auch eingetragen wird.

Tatsächlich so schnell

Kurz bevor ich mit Sack und Pack in Thailand ankam, hatte mich meine Frau überrascht. Sie sandte mir ein Foto ihres nigelnagelneuen Führerscheins. Obwohl sie zuvor noch nie ein Auto gefahren ist, bestand sie die Prüfung in den 2 Tagen. Eine ihrer Freundinnen arbeitet in einer Fahrschule. 

Sie wissen das schon, so wird auch gefahren.

Übrigens, schöner Nebeneffekt beim Besuch von Sehenswürdigkeiten und Museen. Häufig gibt es für Farangs beim Vorzeigen des Thai Führerscheins Thai Preise. 

Aber auch sonst ist er nützlich. Name, Passnummer und Adresse sind in Thai drauf, er ist praktisch klein und so immer dabei. Auch bei der nächsten Helmkontrolle.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Yin, eine Migrantin aus Burma

Kommentare :
Yin Win Thu kam mit 17 nach Thailand. Eine Freundin von ihr arbeitete schon in Ban Krut. Mit 16 hatte sie die Schule beendet und wusste nicht, wo und wie sie Geld für sich und ihre Familie verdienen sollte. 


yin win thu
Yin Win an ihrem Arbeitsort im Coffee Next Door in Ban Krut.
Eine weitere Ausbildung kam nicht in Frage, denn ihre Eltern haben noch die vier jüngeren Geschwister zu versorgen. Sie sind Kautschukfarmer und besitzen ein kleines Stück Land. Überhaupt, in Burma gibt eine Familie durchschnittlich 70 Prozent des Einkommens für Nahrung aus. Zum Vergleich: in Thailand sind es 32, in der Schweiz nur 7.

Heute ist Yin 20 und arbeitet im Coffee Next Door in Ban Krut. Erst verdingte sie sich in einem Resort, dort wo ihre Freundin arbeitete, als Zimmermädchen und Hilfe für alles. Dann fand sie bei der Familie Noo Unterschlupf. Die betreiben in Ban Krut 3 Restaurants und ein kleines Resort. Als die Familie das Café baute, wurde sie zur Mithilfe ausgewählt.

Sie wuchs in der südlichsten und wenig besiedelten Provinz Myanmars, Tananthayri, unweit des Städtchens Palaw auf. Palaw liegt am Indischen Ozean an der einzigen Strasse, die Yangoon mit dem Süden Burmas verbindet zwischen der Hauptstadt Dawei und Myeik.


Palaw an der Andaman See, gut 3 Stunden per Bus von Dan Singkhon entfernt.
Das Land ist abgesehen vom einem schmalen Küstenstreifen bergig und von dichten Wäldern bedeckt. Der höchste Gipfel liegt mit wenig Küstenabstand 1'500 Meter über Meer. 

Im  Tanintharyi Nationalpark, der 2002 gegründet wurde und sich über 3'160 Quadratkilometer bis zur Grenze von Thailand erstreckt, dort an den Kaeng Krachan Nationalpark grenzt, gibt es Tiger, Leoparden, Elefanten, Tapire und Hirsche. Allerdings wird das Gebiet auch besiedelt und für den Anbau von Ölpalmen genutzt, da es keine staatlichen Mittel zum Schutz gibt.

Yin gehört der Volksgruppe der Bamar an. Burma oder Myanmar, wie es seit 1989 heisst, war in der Geschichte nie ein vereinter Staat dieser Grösse. Erst die Engländer hatten alle im 19. Jahrhundert eroberten Gebiete zum Gebilde Burma gemacht, gaben den verschiedenen Völkern aber eine gewisse Selbstständigkeit. 


Burma während britischer Kolonialzeit
Ethnien und ihre Gebiete in Burma zur Englischen Kolonialzeit.
Nach dem Krieg und der Unabhängigkeit 1949 entstand der Vielvölkerstaat Burma mit heute 53 Millionen Einwohnern. 68% gehören den Bamar an, 9% sind Shan, 7% Karen, 4.5% Rohingya, 2.4% Mon, 1.4% Kachin. Dazu gibt es weitere Ethnien mit kleinerem Anteil. 

Seit der Staatsgründung fordern Minderheiten wie die Shan und Karen Autonomie. Seither und bis heute gibt es in diesen Gebieten bewaffnete Konflikte. Gerade erst Ende September drangen wieder Nachrichten von Gefechten bei Myawaddy zwischen der Karen National Liberation Army und der Thadaw, wie die Armee Burmas genannt wird, in die Presse.

Das seit 1962 herrschende Militär hat in den letzten 20 Jahren enorm aufgerüstet, die Aufständischen zurück gedrängt und unterhält jetzt eine Armee von 500'000 Mann (!). Rund 20% des Staatshaushaltes werden dafür ausgegeben.

Über 100'000 Menschen, vor allem Karen, leben als Flüchtlinge in Lagern im Norden Thailands, etliche Zehntausend wurden von den USA, Kanada und anderen Staaten aufgenommen. Im Land selbst sollen bis zu 2 Millionen Leute aus ihren angestammten Gebieten vertrieben worden sein.


Flüchtlingslager Karen in Thailand
Karen Flüchtlingslager im Norden Thailands.
In Tanintharyi, früher Tenasserim, blieb es ruhig, es wird zumeist von Bamar bewohnt. So wuchs Yin ohne Wissen über die Umstände ihres Landes auf, besuchte die staatliche Schule und erfuhr erst in Thailand, was in ihrer Heimat alles geschieht.

Mehr als 2 Millionen Menschen aus Myanmar sollen in Thailand arbeiten, gut die Hälfte wohl ohne Papiere und entsprechend ihren Arbeitgebern ausgeliefert. 

In Thailand entstand durch den wirtschaftlichen Aufschwung ein enormer Bedarf an Arbeitskräften für minderwertige Tätigkeiten, welchen Migranten aus den umliegenden Ländern ausfüllen.

In Ban Krut sind geschätzt mehr als die Hälfte aller Zimmermädchen der Resorts und Kellnerinnen in den Restaurants aus Burma. Männer arbeiten in der Fischindustrie Bang Saphans.


yin win thu
Trotz Heimweh hat sie seit 3 Jahren ihre Familie nicht besucht.
Yin hatte Glück. Ihr Arbeitgeber behandelt sie gut, besorgte die Arbeitserlaubnis und bezahlt einen Monatslohn von 6'500 Baht. 

Essen und Wohnen kann sie bei der Familie. Ihr Arbeitstag dauert von morgens 7 bis abends 7, 7 Tage die Woche. Sie erhält aber freie Stunden, wenn sie die benötigt, ab und zu auch freie Tage, wenn ihre Chefin nach Bangkok reist.

In den 3 Jahren Ban Krut ist sie noch nie zu Hause gewesen. Einmal kam ihre Mutter sie besuchen. Sie will bleiben, bis sie genug Geld auf der Seite hat. Ihr Traum ist ein eigenes Kaffee in Palaw, mit 25 heiraten und 3 Kinder kriegen.

Von den 6'500 Baht spart sie 6'000.

Sonntag, 5. Oktober 2014

Short Time in Pattaya - über Beer Bars und die Walking Street

Keine Kommentare :
"Sawadee kah, I am Noi, nice to meet you."
     "Im Peter, nice to meet you too." 
"Where do you come from?" 
     "I am from Nong Prue." 
"No, I dont mean where your hotel is, I mean, where you come from." 
     "I come from Nong Prue, no Hotel." 
"Khun have Ban in Nong Prue? You live here?"
     "Yes, something like that." 
"Are you married?" 
     "Yes."
"Thai or Farang?"
     "I am a Farang."
"No, I mean your wife."
     "Sorry, my wife is Thai, she will pick me up in one hour."
"Short time ist not for you!?"

Ich weiss nie, ob das eine Frage oder eine Feststellung ist und was genau gemeint ist. Immerhin, eine Stunde für ein Bier ist für mich alles andere als eine Short Time.

Pattaya Beer Bar
Beer Bar in Pattaya: auch für Short Time mit nur Bier.
Ich sitze früh abends als einziger Gast in einer dieser hufeisenförmigen Beer Bars. Zwölf wackelige Hocker, ein abgenutzter Billiard Tisch. Auf dem Fernseher läuft irgend ein Premier League Spiel von letzter Woche, aus den überdimensionierten Boxen dröhnt Techno. Einige der Frauen frischen ihr Make Up auf, andere chatten über Line.

Noi muss um die Dreissig sein. Wie alle in der Bar verdient sie ihren Lebensunterhalt nicht mit dem Bier, das sie mir bringt. Schon eher mit Kennenlernen, ein bisschen Schmus, Vier gewinnt oder Billiard Spiel, dann bezahlt der Gast dem Wirt eine Entschädigung für den Arbeitskraftausfall. Der Deal zwischen Gast und ihr bleibt ihre Sache, auch, was sie dann treiben. Ob das Treiben selbst das Ziel ist, bleibt ein Mysterium.

Abertausende dieser Geschichten, lustig und traurig, erschütternd und beglückend, kursieren im Internet. Viele Bücher wurden darüber geschrieben, Filme gemacht. Sie sind das, was Pattaya bekannt gemacht hat.

Man mag darüber und über Sextourismus denken, was und man will. Aber kaum zu glauben, wie bei so vielem in Thailand, wie subtil alles läuft. Man ist mitten drin und merkt es nicht einmal.

Beer Bar Pattaya
Bar Meile in Pattaya: "Du sitzt mitten drin."
Als ich nach einer Reise durch Kambodscha für zwei, drei Tage das erste Mal in Pattaya war und in einer Beer Bar sass, fragte ich meine allwissende Begleitung: „Und wo läuft den nun das, was hier so laufen soll?“ „Du sitzt mitten drin.“

Die eher offenherzige Kleidung der Frauen hatte ich dem Umstand zugezählt, dass es eben eine Bar war, in der ich sass.

Das Image von Central Pattaya und der Walking Street von heute war die Realität der späten Neunziger. Damals gab es wenige Shops, keine hypermodernen Einkaufszentren, nur ein paar Restaurants, dafür umso mehr offene Flächen mit Beer Bars gleich im Dutzend aneinander gereiht. Der Walking Street entlang ein A-GoGo Schuppen nach dem anderen.

Eingang zur Walking Street früher, heute eckig und ohne Bild des Königs.
Sie begann und beginnt am grossen Tor. Walking Street steht neongrell darüber und natürlich war und ist ein Porträt des Königs da. Sein Blick nicht in die berüchtigte Strasse gerichtet. 

Heute sind da viel mehr Geschäfte, Shisha Bars, Discos und Clubs. Mehr von dem, was Paare im Urlaub nicht missen wollen. Die Walking Street der Neunziger entsprach meiner romantisierten Vorstellung eines Vergnügungsviertels von GIs. Die 300 Meter von heute scheinen friedlicher als damals, viel Schlechtes ist verschwunden. Oder unsichtbar geworden, hat sich vielleicht in die Hinterviertel verzogen.

Ich hoffe verschwunden. Was man auch immer von der Vorgehensweise halten mag, Thailand hat in den letzten 15 Jahren vieles getan und das nicht erfolglos. Machte Pattaya auch für normale Touristen wieder zugänglicher und interessanter.

Pattaya Walkingstreet 60er Jahre
Pattaya 1979: Ein Schweizer war schon da.
Dort wo heute ein Hip Hop- oder Houseclub oder beides betrieben wird, war früher eine Live Music Bar. Von diesen gab es früher einige. Oft spielten erstaunlich gute Coverbands, der Sound immer ein paar Dezibel zu laut

In eben einem dieser Houseclubs, früher meine Lieblingsmusikbar, bestellte ich am Tresen ein Bier. Ein Mann drehte sich zu mir um und sagte mit amerikanischen Akzent: "Its my turn." "Sorry, i didn’t saw that youd like to order a drink." 

"I was here a long time before you, a really long time." "What do you like to drink?" bot ich an. Kurze Zeit später erfuhr ich, was dieser ältere Mann meinte, als er sagte er sei lange, sehr lange vor mir hier gewesen. 

1968 Walking Street Pattaya
1968: Blick von der Walking Street auf die Beach Road. Noch ohne Eingangstor.
Ich sass mit einem ehemaligen GI zusammen, der im Vietnamkrieg gedient hatte und seine Rest & Recreation Tage hier verbracht hatte. Der Mann war ein brillanter Erzähler. Erzählte wie es damals in Pattaya war, wo was hier oder eben mehr dort stand.

Wie verrückt Pattaya war, für ihn aber der friedlichste und normalste Ort der Welt. Viele Storys, aber nicht ein Wort von dem, was er in Vietnam erlebt hatte. Als, wenn ihm nur die Zeit, die er hier verbrachte, im Gedächtnis geblieben wäre. Wie viele Soldaten mit Kriegserlebnissen, sie behalten das Unerträgliche für sich. 

„Shit, i had a good time here. I think, Im still alive because i could be here.“ Ab und zu besucht er den Ort, der ihm die gute Zeit gab. Die wohl nur deshalb gut war, weil das, was dazwischen war, weniger gut war. Heute trifft man solche Männer kaum mehr. 

Auch seine Walking Street ist nicht mehr die, die er als junger Mann während des Krieges besucht hatte, nicht einmal mehr der Torbogen über dem Eingang.