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Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

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Mittwoch, 5. November 2014

Statt Versicherung verkauft geheiratet

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Mayuree kam vor vier Jahren zum ersten Mal nach Ban Krut. Eine Kollegin, welche einen Freund aus der Gegend hatte, schlug ihr kurz vor einem, durch einen buddhistischen Feiertag verlängertem Wochenende vor, doch einmal mit ihr ins kleine Badeort zu kommen. Ein paar Tage relaxen, Seafood, Sonne, Sand und Meer geniessen.
O from Coffee next Door Ban Krut
Mayuree, genannt O mit ihrer Tochter BB
Beim Seafood geschah es. Wie am Tag zuvor hatten sie am Strand zu Abend gegessen. Noo’s Restaurant war wie jeden Abend an Feiertagen voller Bangkoker, die frischen Fisch und Meeresfrüchte genossen. Eingeholt von den Fischern, die auch jetzt wieder mit ihren Booten, aufgereiht wie eine Perlenkette und beleuchtet durch die Lichter, welche Tintenfische anlocken, am Horizont im Golf von Thailand auf Fang waren.

Sie wollten zahlen. Die Bedienung so beschäftigt, gingen sie vom Strand über die Strasse zum Kassierer neben der Küche. Der Mann war Mayuree sympathisch. Bald waren sie in ein Gespräch verwickelt, unterbrochen nur von den Kellnerinnen, welche Rechnungen für die Gäste einholten und mit Geld zurückkamen.

In Thailand wird niemand bei seinem nach der Geburt registrierten Namen gerufen. Oft hat der Rufname etwas Poetisches. Manchmal ist er ganz banal, Fon, weil’s am Tag der Geburt geregnet hat. Fon bedeutet übersetzt Regen. Und wird dann auch wieder gewechselt, bei einem Umzug in eine andere Stadt oder wie auch immer.

O ist nicht nur ein Buchstabe

Mayuree’s Rufname ist ganz simpel, O. Weder hat er eine Bedeutung, noch sonst was, sie weiss selbst nicht mehr, wie ihre Mutter darauf kam. Aber praktisch ist er schon, meint sie. 

O war noch immer beim Kassierer. Endlich bezahlt, weil die Mutter des Kassierers schon wieder aus der Küche einen scharfen Blick wirft, ihre Freundin müde ist. Kurz noch hingeworfen, am nächsten Tag vor der Abreise zum Mittagessen zu kommen. 
Schickt gemacht an einer Gala in Bangkok 2011.
Ausgecheckt, mit ihrem Honda Jazz zum Restaurant. Heute hat er Zeit, setzt sich zu ihnen an den Tisch. Sie sprechen über ihre Jobs. O und ihre Freundin arbeiten als Maklerinnen bei der AIA, einer grossen Versicherungsgesellschaft in Bangkok. Sie will ihm eine Lebensversicherung andrehen. Er braucht keine Versicherung, er will sie. Sie tauschen Adressen und Telefonnummer aus. Die beiden Freundinnen müssen gehen. Auf sie warteten an diesem Sonntag Nachmittag noch beinahe 400 Kilometer und ab Hua Hin dichter Rückreiseverkehr.

Abends um neun, O ist eben zu Hause angekommen, erhält sie ein SMS. Liebe Grüsse aus Ban Krut. Obwohl sie müde ist, kann sie nicht einschlafen. Sie denkt über ihr Leben nach. Ihre glückliche Kindheit in Khon Kaen und Korat, obwohl ihr leiblicher Vater gestorben ist, als sie noch klein war. O’s Mutter hatte wieder geheiratet, einen Lokomotivführer bei der Thailändischen Eisenbahn. Er war zu ihr und ihren Geschwistern, selten genug in Thailand, wie der richtige Vater. Leider starb er vor wenigen Jahren an Krebs.

Wie sie die Universität in Khon Kaen besuchen konnte, mit einem Bachelor für Marketing und Kommunikation abschloss, danach nach Bangkok ging und bei der AIA eine gute Stelle fand. Sie liebte die Stadt, sie bot alles, was man sich als junge Frau mit gutem Job wünschen kann und kaufte bald Auto und Haus.
Fanden sich in Ban Krut: O mit ihrem Mann Boy.
Aber irgendwie, dieser Mann hatte schon was. Der Kontakt wurde intensiver und ein Jahr später heirateten sie. Sie war 33 und der Moment stimmte. Sie zog nach Ban Krut, bald wurde sie schwanger. BB, ein Mädchen kam zur Welt. Auch wieder ein solcher Rufname. Zur Feier wurde das kleine Resort, das die Familie ihres Mannes baute, BB Resort genannt, sie zogen gleich in ein Zimmer im Hauptgebäude ein.

Sie brauchte einen Job, nur dem Kind schauen genügte nicht. Praktisch, dass die Noo’s nicht nur ein Restaurant, sondern auch viel Land besitzen. Zwischen Wohnhaus der Familie und dem 7-Eleven gab’s noch ein Stück freie Fläche, schnell war die Idee geboren, einen Coffee Shop zu bauen, so was gab’s in Ban Krut erst in zwei Resorts.

O bekam die Leitung übertragen, das Coffee Next Door öffnete vor bald zwei Jahren. Zusammen mit Yin, ihrer burmesischen Mitarbeiterin und Nanny von BB, schenkt sie nun Espresso yen mai wan und Somchit aus. BB huscht durch Shop und Gäste. Bald ist sie nicht mehr alleine, O erwartet im Januar ihr zweites Kind, einen Buben. 

Auf die Frage, ob sie Bangkok nicht vermisse nickt sie nur und strahlt zugleich.

Samstag, 13. September 2014

San Phra Phum - Geisterhaus Einweihung in Ban Krut

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Das Alte war nicht mehr so schön und erfüllte eine wichtige Bedingung nicht mehr. Ein Geisterhaus in Thailand muss attraktiver sein als das Wohnhaus.


San Phra Phum Ban-Krut
Kurzerhand wurde am bisherigen Standort ein neuer Sockel errichtet, das Häuschen gekauft. Ein Geisterhaus kann nicht irgendwo, oder wo es optisch ideal passt, hingestellt werden. Der Ort darf nicht von Schatten des richtigen Hauses getroffen werden und es muss davor stehen.

San Phra Phum in Ban-Krut
Für Thais perfekter Standort beim Eingang, der Farang hätt's gerne nicht so dominant. 
Der Mor San, der "Doktor für Schreine" bestimmte anschliessend den idealen Zeitpunkt der Einweihungsfeier. Nach Konsultation der Gestirne und verschiedenen Ritualen war er sicher, der 11. September passt.

Nan, die umtriebige Managerin der Anlage liess sich nicht lumpen. Neben Lars, dem schwedischen Mitbesitzer von Suan Waree, lud sie Nachbarn und gute Freunde zur Feier ein.

San Phra Phum Ban-Krut
Vor dem Gebet. Was wohl der alte Grieche und Jesus beim Nachtessen davon halten?
Vom Wat Thang Sai organisierte sie 9 Mönche, welche die Zeremonie mit Gebeten begleiteten und das Wohnhaus frisch segneten.


Mönch Ban-Krut
Der Mor San bereitet vor. Der Faden in den Händen wird vom Geisterhaus ins Haus gezogen.
Er betet ganz inbrünstig. Hat seine Zivilkleidung für einige Wochen abgelegt.
Als Dank erhalten sie ein opulentes Menu gereicht, über die Reste machen sich dann später die Gäste her. Gut, das buddhistische Mönche nach 12 Uhr nicht mehr essen dürfen. So reicht's auch für's gemeine Volk zum Mittagessen.
  
Mönche Thailand
Der grosse Schmaus zum Festtag. Auch Pepsi gibt's nicht jeden Tag.
Geisterhäuser wurden von Europäern erstmals im 19. Jahrhundert in einem Reisebuch erwähnt. In Ayutthaya, der früheren Hauptstadt, welche 1767 von den Burmesen niedergebrannt wurde, finden sich noch heute Überreste von Miniatur Tempeln und - Palästen.

Mönche Thailand
Geschenke werden verteilt. Eimer mit Alltagsdingen, Kistchen mit Medikamenten.
Mönche Ban-Krut
So ein Ärger, schon wieder die Medibox.
Der Glauben an Geister, Phi, wie Thais sie nennen, stammt aus vor-buddhistischer Zeit und war Teil der Religion der damaligen Herrscher Thailands, der Karen und Mon, die später vom aus Südchina einwandernden Thai Volk in die Berge im Norden verdrängt wurden.


Auch Ann betet schön mit. Schöner Kontrast zur Zeremonie im Hintergrund:
Salvador Dali Traum verursacht durch...
Dalis "Traum, verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen" im Riesenformat.
Der Buddhismus hat, wie andere Glaubensrichtungen dies mit angestammten Bräuchen im neuen Verbreitungsgebieten getan haben, die Geister ins Repertoire mit aufgenommen.

San Phra Phum Ban-Krut
Gaben für gutes Gelingen und viel Glück beim Wohnen.
Phra Phum sind eine Gruppe von Geistern, das Wort Phum bedeutet auf Sanskrit und Pali Erde. Phra heisst ehrenvoll. Die Namen der Geister scheinen aus Indien zu stammen. Der bekannteste ist Chaiyamonkohn, der Beschützer von Häusern und entsprechend Bewohner der Geisterhäuser. Figuren neben den Häusern stellen Ahnen dar oder dienen dem Phi als Tänzer. 

Segen für ein Haus in Thailand
Zum Schluss wird das Wohnhaus gesegnet..

Wai in Thailand
..und sich artig bedankt.

Wir haben keins. Meine Frau meint, das braucht zuviel Pflege. Täglich Speis und Trank, zu besonderen Gelegenheiten auch mal Lao Khao, Reisschnaps. Wer macht das, wenn wir nicht zu Hause sind? Die Geister, meint sie, sind nur wohlgesinnt, wenn sie erhalten was sie brauchen.


Lao Khao
Reisschnaps gab's auch. Diesmal weder für die Mönche noch die Geister.
Aber eins muss ich überdenken. Wenn ich zur Toilette muss, sage ich gerne, ich geh' Phi Phi Island. Gehe ich jetzt zur Trauminsel oder zu den Geistern?


Freitag, 3. Mai 2013

Tief sehen ist eine Notwendigkeit und Lächeln eine Sprache in Thailand

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Das erste Mal in Thailand. Ankunft in Bangkok, damals noch am Don Muang Flughafen, und mit dem Taxi ins Hotel. Der Fahrer bemerkte schon bald: „Ah, ihr erstes Mal in Thailand“.
Beeindruckend, nicht nur beim ersten Mal in Thailand: die Skyline von Bangkok.
War ja auch nicht schwierig zu erkennen. Neugierig wie ich alles, was an uns vorbei rauschte, bestaunte. Im Hotel angekommen. Check in. Die Dame an der Rezeption wünschte mir für meinen ersten Aufenthalt in Thailand viel Vergnügen. Ich hatte in meinen Pass den einen oder anderen Stempel, aber noch keinen von Thailand. Ich dachte: gut kombiniert und in einen freundlichen Wunsch umgesetzt.

Abends im Restaurant. Klar bestellte ich etwas Thailändisches. Bestimmt stellte der Kellner fest, dass ich das Essen wohl nur wenig scharf möchte. Ebenfalls klar bestellte ich normal scharf. Auch klar, ich bereute es bereits beim ersten Bissen.

Und es begleitete mich während meines gesamten Aufenthaltes. Die Verkäuferin im Einkaufszentrum, der Lift Boy im Hotel, der Kontrolleur im Sky Train. Alle stellten sie fest: „Ah, ihr erstes Mal in Thailand.“

Ein paar Besuche später wechselte die Frage zu „Sind sie geschäftlich hier?“ Die Bestimmtheit des Kellners änderte sich nicht, nur das ich seine Feststellung bejahte. Reise ich heute nach Thailand, lautet die Frage „Leben sie hier oder kommen sie öfter für länger?“ Die Kellnerin im Restaurant fragt, auch wenn ich auf englisch bestelle: „Ped? Ped nid noi, ka?“ (Scharf? Oder nur ein Bisschen?) Offensichtlich habe ich mein Verhalten geändert.
Pla Kapong Nueng Manao: Ped Maak - Fisch in Zitronensauce schön scharf mit viel Chili und Knoblauch.
Tiefer sehen. Keine übernatürliche Begabung. Eine von Generation zu Generation weitergegebene, seit Geburt geübte tiefe Aufmerksamkeit auf sein gegenüber, das Beachten von kleinen Gesten, feinen Regungen. Man erfährt Dinge, die nie ausgesprochen werden müssen.

In Thailand gehen die Menschen behutsam miteinander um und achten sehr darauf, dass jede Frau und jeder Mann zu jeder Zeit das Gesicht bewahren kann. Ist stets freundlich und zuvorkommend. 

Niemand verliert gerne sein Gesicht

In LOS, dem Land of Smiles, ist das ganz, ganz wichtig, die wichtigste Verhaltensregel. In einem Land, in dem das Kollektiv eine weit aus grössere Bedeutung als das Individuum hat, in dem die Lehre Buddha von über 92% der Bevölkerung als Glaube verstanden und gelebt wird - und wohl noch ein paar Umstände mehr - wird dieses Verhalten seit Generationen vorgelebt und vermittelt.

Buddha lehrt, dass alle Dinge „Leiden“ sind. Ich verstehe das so: Der Mensch begehrt von Natur aus. Nach Nahrung, Wärme, Schutz. Hat er dies, begehrt er nach mehr. Wie im Lied von Hans Dampf. Was er hat, will er nicht. Was er will, hat er nicht.

Nun lehrt Buddha, einfach gesagt, dass Menschen, die nicht mehr Begehren und sich von allen Zwängen befreit haben, Glückseligkeit erreichen. Das erreicht man unter anderem, indem man richtig sieht, richtig hört, richtig fühlt, richtig spricht.

Wird dieser Glaube in einer Gesellschaft gelebt, bemühen sich alle, das eigene wie auch das Gesicht des anderen zu wahren. Richtig hören und richtig fühlen bedingt das Gegenüber richtig wahrnehmen und situativ richtig agieren. Kritik oder Belehrungen sind, wenn überhaupt, im Masse anzubringen.

Sprechen mit Lächeln

Wer das selbst versucht, wird merken, wie schwierig das ist. Nun kommt das Lächeln als Sprache ins Spiel. Das erleichtert ungemein. Der Kassier gibt zu wenig heraus. Man schaut ihn an, lächelt, schaut zum Geld, wieder zu ihm, und lächelt wieder. Weil er richtig fühlt und sieht, bemerkt er den Fehler und gibt den richtigen Betrag mit einer Entschuldigung.

Statt der Kellnerin zu erklären, dass zu einem Rotwein ein Rotweinglas und keine Plastikbecher gehören, trinkt man den Wein lächelnd aus dem Plastikbecher. Wo zu Rotwein Plastikbecher serviert werden, ist es eher unüblich, dass Wein bestellt wird. Man hat das entweder billigend in Kauf genommen oder eben nicht richtig gesehen. Som namm na, selber Schuld. Sagte ich meinen Freunden am Tisch.

Wahrscheinlich von uns animiert, bestellten die Gäste am Nachbartisch ebenfalls eine Flasche Wein. Und erhielten Weingläser dazu. Die netten Kommentare meiner Freunde führten zu fröhlichem Gelächter und bewegte die Kellnerin, uns umgehend ebenfalls Weingläser zu bringen. Die Stimmung konnte nicht besser sein. An diesem Abend schauten wir etwas tiefer als üblich - in die Weingläser.

Wenn man denkt, man habe es begriffen, kommt es vielleicht doch anders. Die Sprache des Lächelns muss gelernt sein. Wann ist einfach, einfach immer - und vor allem dann, wenn es einem eigentlich vergangen ist. Lächelt man trotzdem ist, es nur noch halb so schlimm. Das hilft wirklich, wenigstens mir.
Markt in Thailand: Lächeln ist eine Sprache, welche die Ware noch frischer macht. 


Unser wichtigstes freundliches Signal ist das Lächeln. Mit dieser angeborenen Verhaltensweise sind wir in der Lage, uns mit völlig Unbekannten anzufreunden. Ein Lächeln entwaffnet. Erst kürzlich las ich von einem amerikanischen Sergeanten, der sich plötzlich zwei Vietcong Soldaten gegenüber befand. Sein Gewehr versagte, und da lächelte er, was seine Gegner hemmte. Misstrauen und Angst liessen den angebahnten Kontakt jedoch sofort wieder ersterben. Der Amerikaner lud durch und tötete seine Gegner. (Aus aus dem Buch Liebe und Hass von Irenäus Eibl-Eibesfeldt)

Wie Farang einer Thai erklärt, was ein Tram ist

Wenn und wie eher schwieriger. Als ich das erste Mal mit meiner Frau, nach Zürich ging, fragte ich sie „Weißt du, was ein Tram ist?“ In Thailand gibt keine. Fälschlicherweise lächelte ich, während ich fragte. Das Lächeln übersetzte sie mit: jeder weiss, doch was ein Tram ist. Entsprechend war ihre Antwort „Ja, sicher.“ Der unsichtbare Kommentar von ihr lautete wohl „Keine Ahnung.“

Als wir durchs Stadtzentrum spazierten meinte sie Zürich sei wirklich schön. Nur, dass sehr viele Züge fahren. Beim nächsten Tram das uns entgegen kam fragte ich sie „Weisst du weshalb die Trams hier weiss-blau sind?“ „Weiss-blau ist die Flaggenfarbe der Stadt und des Kantons Zürich.“ Sie fragte mich, wie viele Trams es in dieser Stadt gibt und lächelte. Die Frage war belanglos, meine Frau teilte mir so mit: „Ich weiss, nun was ein Tram ist. Das Lächeln hiess: „Gut reagiert, Ehemann, weiter so.“

Lächle dich selbst an

Lächeln führt dazu, dass das Hirn Endorphine produziert, die körperliche und seelische Schmerzen verringern und das Wohlbefinden steigern. Schau jeden Tag morgens früh in den Spiegel und lächle. Das wirkt und sorgt für einen guten Start in den Tag - auch bei Farangs.



Donnerstag, 11. April 2013

Songkran - das Thailändische Neujahrsfest

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Ganz Thailand ist in fiebriger Stimmung. Am 13. April ist Songkran, das traditionelle Thailändische Neujahr nach dem Mondkalender. Auch mein Zuhause Ban Krut putzt sich heraus, um all die Thai Touristen in den ausgebuchten Resorts und Ferienhäusern festgerecht zu empfangen.

Ban Krut Beach: der erste Bus mit Songkran Touristen rollt an.
Typisch Thailand? Früher fand Songkran zur Tag und Nacht Gleiche im Frühjahr zwischen dem 19. und 21. März statt. Weil die Hofastrologen aber die Richtungsänderungen der Erdachse nicht genau verfolgten, rutschte der Termin immer weiter nach hinten bis er der Einfachheit halber beim heutigen, auf den Tag genau festgelegten Termin, stehen blieb.

Songkran wie Weihnachten

Songkran ist der wichtigste Feiertag in Thailand und wie Weihnachten in der westlichen Welt. Firmen und Geschäfte bleiben einige Tage geschlossen, alle besuchen ihre Familien oder machen Ferien am Meer, wie bei uns in Ban Krut.

Der Vermieter von Schwimmreifen freut sich auf's Geschäft. Ein Tag Miete kostet 30 Baht.
Die Wohnquartiere der Hauptstadt von Thailand sind in diesen Tagen sozusagen ausgestorben, da die Meisten der gegen 15 Mio. Einwohner der Metropolregion Bangkok zugewandert sind.

Wasserspritzerei

Die Bilder gehen jedes Jahr um die Welt. Wie sich in der Kao San Road in Bangkok Thais und Touristen gegenseitig aus Maschinenpistolen ähnlichen Wasserwerfern bespritzen. Wie Leute auf Pick Up's, gut gefüllt mit Chang Bier und SangSom Rum, bewaffnet mit Fässern voll von einem Wasser-Puder-Eiswürfel Gemisch Passanten zum Neujahr beglücken. Wofür war denn jetzt die Putzerei?

Säuberung und Erneuerung

Songkran ist die Zeit der Säuberung und Erneuerung. Ban Krut putzt sich heraus für die Touristen, jeder Haushalt in Thailand aber macht aber am 12. April den Jahres-Reinigungstag aus religiösen Gründen.

Der Bürgermeister begrüsst am Ortseingang persönlich. Auf dem Schild rechts steht: Stopp Littering! 
Am frühen Morgen des 13. April besuchen die Gläubigen zum Thambun den Wat. Sie spenden Reis und anderes Essen, dann werden die Buddhas und die Mönche des Tempels mit Wasser begossen. Später werden die älteren Familienmitglieder besucht. Ihnen werden die Hände mit nach Jasmin duftendem Wasser benetzt.

Die Spritzerei hat sich aus den rituellen Waschungen entwickelt - Thais sind bekanntlich immer für ein Fest und Sanuk zu haben.

Die sieben unfallträchtigsten Tage des Jahres

Sanuk wird Opfer getragen. Thailands Regierung bezeichnet die Tage vom 11.-17. April als die Seven Dangerous Days of Songkran. Alleine in dieser Woche ereignen sich über 3000 Unfälle. Hauptgründe sind Trunkenheit und zu schnelles Fahren auf den allgegenwärtigen, kleinen, aber schnellen Motorrädern. Wenn die 5. Flasche Sang Som schon leer ist, wird die Fahrt zum Kauf der 6. gefährlich.

11 Regeln für ein gepflegtes Songkran

Verschiedene Regierungsstellen geben jedes Jahr neue Regeln heraus, hier diejenige von 2013:

1. Kaufe oder verkaufe nichts am Strassenrand.
2. Stell die Musikanlage im Auto nicht an.
3. Nimm kein Wasser auf dem Pick Up mit.
4. Bespritze niemanden vom Pick Up aus mit Wasser.
5. Verwende keine Hochdruck Wasserpistolen.
6. Wirf kein Eis auf andere Leute.
7. Verwende kein Baby Puder.
8. Mach' keine Frauen an.
9. Verkaufe keinen Alkohol in den alkoholfreien Zonen.
10. Trinke keinen Alkohol während des Autofahrens.
11. Fahre nicht betrunken Auto oder Motorrad.

Neujahr im April gibt's nicht nur in Thailand

In allen buddhistisch geprägten Ländern und Regionen wird das Wasserfest gefeiert. In Laos heisst es Bun Pi Mai, in Myanmar Thyngian und in Kambodscha Bonn Chaul Chnam Thmei. Auch die Dai im Süden Chinas feiern ein Fest des Wasserwerfens. In Nepal wie in Sri Lanka wird in diesen Tagen ebenfalls das neue Jahr begrüsst.

Übrigens, erst seit 1941 beginnt das neue Jahr in Thailand amtlich am 1. Januar. 

Nichts für uns - oder doch?

Der ganze Trubel ist nicht so die Sache von Ann und mir, wir mögen's lieber ruhig. Als Brillenträger mag ich das ständige Wasser im Gesicht sowieso nicht wirklich. 

Wir haben deshalb frühzeitig die Reste der Familie aus Bangkok zu uns nach Ban Krut evakuiert. Die Vorräte sind bereits aufgefüllt - wenn die erste Flasche Sang Som leer wird, stehen die Zweite und Dritte bereit - und sind schon heute morgen zum Wat Angsuwan beten gegangen.

Wat Angsuwan bei Ban Krut: für ein glückliches neues Jahr gebetet.
Gut, einmal werden wir uns schon unter die Menge an der Beach Road von Ban Krut mischen - wozu sonst haben wir denn die Wasserpistole mit extra grossem Tank und das Baby Puder gekauft.

Sonntag, 31. März 2013

Arbeiten in Thailand 1 - der ThaiTuri wagt's

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Sonntag, es ist kalt draussen, grau in grau, jeden Moment beginnt es zu regnen. „Das passt ja perfekt zur vergangenen Arbeitswoche, muss das wirklich sein?“

Arbeiten in Thailand: Für Handwerker genügen bei 30 Grad Flip Flops.
Arbeiten in Thailand, meinem Ferienland. Wäre das nicht perfekt? Klar, top wäre es, den guten Schweizer Job in Südostasien ausüben zu können. „Muss nicht unbedingt sein“, denk ich mir, „eine einfache Tätigkeit mit einem monatlichen Zustupf aus dem Ersparten..“

Genau hier platzt mein Traum und ich werde abrupt in die Wirklichkeit zurückkatapultiert. Erstens reicht das Ersparte kaum und zweitens: Ich war einen Tag angestellt als Küchengehilfe eines kleinen Restaurants mit Catering Service. Zu den in Thailand üblichen Konditionen. 

Wie in den meisten anderen Ländern auch, gilt für Touristen in Thailand ein Arbeitsverbot. Mein damaliger Chef, eigentlich mein Schwager, und ich einigten uns deshalb, den Tagesverdienst von 400 Baht, umgerechnet 12 Franken, und den Trinkgeldanteil einem bekannten Kinderheim zu spenden.

Arbeit ist eine auf Einkommen gerichtete Tätigkeit. Ohne Einkommen keine Arbeit und ohne Arbeit kein Arbeitsverbot. Tönt gut, wird im Zweifelsfall wohl nicht weit reichen. Sicher nicht in Thailand, da landet man ohne Workpermit bei einer Kontrolle einfach mal im Gefängnis. Im Zweifelsfall genügt schon das Sitzen am falschen Platz im Restaurant, das einem gehört und von der Ehefrau betrieben wird.

Arbeitsbewilligung oder Workpermit Thailand

Voraussetzung für eine Arbeitsbewilligung oder das Workpermit in Thailand ist ein Business Visum, das sogenannte Non O Immigrant Visa B. Auf dieser Basis kann eine Firma – es muss eine Firma sein, nicht der Antragssteller selbst - ein Workpermit beantragen.

Die Firma muss begründen, weshalb sie für diese Arbeit einen Ausländer benötigt und nicht einen Thai anstellen kann. Erschwerend kommt dazu, dass es eine ganze Menge an Berufen gibt, die Thais vorbehalten sind. Darin enthalten sind beinahe alle handwerklichen Tätigkeiten, aber auch Taxifahrer, Reiseführer und viele mehr.

In einer Bewilligung wird genau festgehalten an welchem Ort und welcher Arbeit nachgegangen werden kann. Die Firma muss pro Arbeitsbewilligung für einen Ausländer vier Thais anstellen. Der Ausländer selbst wird steuerpflichtig, da die Thai Behörden nicht annehmen, dass er für einen Thai Lohn arbeiten wird. Ab einem Einkommen von 150'000 Baht pro Jahr, rund 4'500 Franken, werden 15% Steuern fällig.

Die Arbeitsbewilligung gilt für ein Jahr und ist unabhängig von der Gültigkeit des Einreisestempels.

Catering für 200 Personen – Anweisungen gibt's in Thinglish und Thai

Der Auftrag war, ein Abendbuffet für eine Hochzeitsgesellschaft von 200 Personen zu kochen. Mein Schwager Cop führt sein kleines Restaurant zu zweit. Für grosse Anlässe wie diesen greift er auf sein grosses Netzwerk zurück. Dieses Mal versagte seine Organisation und so kam ich, der ThaiTuri, ins Spiel. Als einmalige Verwandtenhilfe, ein normales, legitimes Handeln oder nicht?
ThaiTuri Peter's Arbeitsort in Thailand: schöner Flecken für Gäste.
12.15 Uhr. Die Crew erreicht einen privates Grundstück ausserhalb der Stadt, direkt am Meer. Dieser schönen Ort kann mit der gesamten Infrastruktur gemietet werden. Für eine Hochzeit genau richtig. Ruhig, romantisch und mit allem ausgestattet, was es für ein rauschendes Fest braucht.

Die Küche ist ein kleiner Raum mit ein paar Abstellmöglichkeiten, Licht, Wasser und Waschbecken, fertig. „Na toll, um 18.30 Uhr kommen 200 gut gelaunte, hungrige Hochzeitsgäste.“ Mit mir stehen fünf Personen im Raum mit fast nichts drin. Chef Cop meint: „Peter, hol mal die Plastiktasche mit den gekühlten Getränken und den Snacks für aus dem Auto. Vor der Arbeit erst mal stärken.“ Die Anweisungen gibt’s für den ThaiTuri in Thinglish und Thai.

Wie alle Thais wird mein Schwager nur mit seinem Kosenamen gerufen. Cop bedeutet übersetzt Frosch – witzig, welche Namen Eltern in Thailand ihren Kindern geben. Was er als kleiner Bub wohl so angestellt hat? 

Der ThaiTuri kommt ins Schwitzen

13.00 Uhr, 5 1/2 Stunden vor dem Countdown. Cop: „So Leute, los geht’s, ihr wisst wies läuft, Peter hol alles, was schwer aussieht, aus dem Auto. Jemand von uns sagt dir dann, wohin damit.“ Eine große Kiste mit irgendwas elend Schwerem drin in den Händen haltend: „Ki-Kiste. Wo?“  „Moment.“ Ich halte die mindestens 1’000 Kilo schwere Kiste ein gefühltes halbes Jahr und warte. „Peter. Kiste. Hier. Hinstellen.“  „Kap, kap.“ Ich gehe, stolpere leicht. Vermute, ich sei über meinen mittlerweile gewachsenen Bart gestolpert. Der Bart entpuppt sich als kleiner Hund, der nicht erfreut über die Störung zu reklamieren beginnt. „Peter. Gasflaschen.“ Drei riesige Stahldinger und drei große Torpedos. „Hier die Flaschen. Gasbrenner da.“


Lebensmittel werden ausgepackt, alles ist frisch oder tiefgefroren und unbearbeitet. Einzige Ausnahme sind die 30 Kilo Shrimps, welche am morgen kochfertig vorbereitet wurden.

13.45 Uhr, der Countdown steht bei 4 3/4 Stunden. Die Küche ist jetzt eingerichtet und vier Personen arbeiten Hand in Hand, konzentriert, ruhig und - so scheint es - gemächlich. Aber jeder Handgriff sitzt, es sieht aus wie ein Puzzle, bei dem ohne Suchen jedes Teil genau weiß, wo es hingehört. Die fünfte Person der Crew steht mit schweiß nassem T-Shirt im Schatten und gönnt sich ein Glas Wasser, während er auf weitere Instruktionen wartet. 

ThaiTuri Peter's Frau Siren: Erste Gerichte sind bereit.
Die folgen bald. „Peter, hier, Limetten so schneiden, dann so in Presse legen, dann Hebel so runterdrücken.“ Ich schaue zu und mach das Gezeigte nach. „Genau, gut, weitermachen. Mit allen Limetten, hier.“  6 Säcke zu je fünf Kilo Limetten warten auf mich. Zerschneiden, Pressen, Saft in die Schüssel. Die ist sehr groß und soll voll werden. „Das Teil hat wohl ein Loch.“ Denk ich mir. Und gestehe, dies wirklich kontrolliert zu haben. Es hatte keins und ja, ich füllte die Schüssel.

Immerhin gab's in der (Wasch)küche ein Waschbecken.
16.45 Uhr, noch 1 3/4 Stunden. In der Küche brutzelt und kocht es, zu den 32° Außentemperatur kommt die Hitze des Kochens und der drei Gasbrenner hinzu. Der Wasserdampf möchte wohl für zusätzliche Stimmung sorgen und erhöht die eh schon hohe Luftfeuchtigkeit auf 120%. Der kleine Küchenraum platzt aus allen Nähten. Alle arbeiteten auf sehr kleinen Arbeitsflächen. Es ist eng, stickig, viele Küchen- und Kochgerüche steigen gleichzeitig in die Nase. Dann die Hitze in dieser Waschküche: Hilfe ich bin in einem Tumbler, holt mich hier raus. Es fehlt nur, dass er sich zu drehen beginnt.

„Du machst das freiwillig, so schlimm ist es nicht und schlimmer wird es nicht mehr werden.“
   
Leider ein Irrtum. Weshalb und warum es besser ist, eine Flasche Reisschnaps als zwei Flaschen Bier zu kaufen, folgt in Teil 2: Arbeiten in Thailand - der ThaiTuri übersteht's.