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Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

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Mittwoch, 3. April 2013

Arbeiten in Thailand 2 - der ThaiTuri übersteht's und macht ein Experiment

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"Du machst das freiwillig, so schlimm ist es nicht und schlimmer wird es nicht mehr werden." Leider ein Irrtum. ThaiTuri Peter arbeitet in Thailand für einen Tag als Küchengehilfe.
Arbeiten in Thailand: Nicht nur in der Küche, auch beim Strassenbau wird viel geschwitzt und wenig verdient.
Ich esse vieles und versuche beinahe alles. Ich weiß, wie frittierte Heuschrecken und gekühlte, deshalb bewegungsstarre, im Zuckerrohr geborene kleine weiße Tierchen - genau, Maden - schmecken.

Aber, ich esse keinen Fisch. Weder gekocht noch gegrillt oder sonst wie zubereitet. Fische mag ich im Wasser wenn sie so vor sich her schwimmen. Da riecht auch nichts.

Nichts für ThaiTuri Peter: Im Bananenblatt gegrillter Fisch.
„Peter, hier“. Cop zeigt auf enorm große Schüssel, gefüllt mit...noch gefrorenen, aber auftauenden Fischstücken. Er lacht. „Nicht essen, du, mit beiden Händen, vorsichtig Fischstücke drehen. Ich Zutaten reinschütten“.

Am Ende entsteht daraus ein pikant gewürztes frittiertes Fischgericht. Ein Selbstläufer, der Gaumenschmaus für eine Thailändische Hochzeitsgesellschaft an sich. Entsprechend viele, viele Fischstücke wollen gewürzt und liebevoll gedreht werden.

Lieber Schwager Cop, du wirst diese Zeilen zwar nie lesen, aber ich werde sie dir übersetzen. Dank dir habe ich gelernt, mich selbst zu überwinden. Nein, ich werde es nicht übersetzen, ich werde es dir zeigen. Ich kenne deine Abneigung gegen Schwimmen, irgendwann, vielleicht schon bei meinem nächsten Besuch in Thailand, folgt die Revanche.

Thais lassen sich nicht stressen

17.45 Uhr, der Countdown steht bei 45 Minuten. Noch ist nichts fertig. Ein Buffet für 200 Hochzeitsgäste und nicht mal das Buffet steht. Ich habe mir Müdigkeit auf Vorrat besorgt, fühle mich aber bereits wie am Ende eines harten Arbeitstages.

Ich arbeite als Teil eines Teams, integriere und engagiere mich, bin aber bei weitem nicht der Highperfomer des Teams. Gai arbeitet ruhig, überlegt und stetig. Sie nimmt es gelassen und souverän, arbeitet ohne auch nur den kleinsten Hauch auch von Hektik entstehen zu lassen. Ihre Leistung ist unter diesen Arbeitsbedingungen bewundernswert.

Cop behält den Überblick und kocht an zwei Brennern gleichzeitig. Klar, etwas chaotisch ist er schon. Wie alle in der Küche kann auch er ohne Hektik - allen scheinen sie stressresistent zu sein. 

Meine Frau Siren imponiert mir durch ihre Kreativität und handwerkliches Geschick. Das Buffet wird so zum Augenschmaus. Auch Chess, der andere Küchengehilfe, fügt sich ins Puzzle ein und ist da wo er gebraucht wird.

Cop weist an: „Peter mitkommen, wir machen Buffet bereit. Tische aufstellen und so.“ Er hilft mir, die Tische aufzustellen und erklärt, dass alle in einer Reihe stehen sollen und die Tischplatten eine Ebene bilden müssen. „Tischtuch und so nicht vergessen“ und weg ist er.

Tische und Stühle für 200 Gäste: Stimmt die Ausrichtung?
Kaum angefangen stehe ich mit dem Gelände auf Kriegsfuß. Bis jetzt war da eine scheinbare Ebene, nun da ich versuche, die Tische in einer Reihe und die Tischplatten zu einer geraden Linie zu vereinen, hat sich der Platz in eine Kraterlandschaft verwandelt. Aus „einer meiner leichtesten Übung wird nun „auch das krieg hin.“ Hingekriegt, Tischdecke drüber und fertig. Infrastruktur für die Gäste steht, Essen fehlt. Es ist ja auch erst 18.00 Uhr.

Es geht los

Die ersten Gäste treffen ein, bestaunen das leere Buffet, holen Getränke und Eis. Small Talk, es wird gelächelt und gelacht, gute Stimmung. Dann macht sich etwas Anspannung bemerkbar. Das Brautpaar wird jeden Moment erwartet. Ich gehe zurück zur Hektik- und stressfreien Zone, in die Küche.

18.10 Uhr, noch 20 Minuten bis zur Eröffnung des Buffets. Platten und Töpfe stehen bereit, sind aber noch leer. Rechauds werden aufs Buffet gestellt und angezündet. Der Weg von der Küche zum Buffet beträgt 30 Meter, gefühlt. Aber 20 sind es sicher, mindestens. 


Der Sturm aufs Buffet kann beginnen.
Chef Cop: „Du unterhalten das Buffet.“ War mir nach der Übersetzung nicht ganz klar, ob ich jetzt den Alleinunterhalter spielen soll. Okay, klar, ich war ab sofort verantwortlich, dass immer genügend Essen da ist, das Buffet jederzeit schön präsentiert ist. Und vor allem gebe ich der Küche frühzeitig Bescheid, was noch benötigt wird.“ Pro Weg jedes Mal mindestens 20 Meter. Allenfalls hätte da die moderne Kommunikationstechnik.. aber schon zu spät.

18.30 Uhr. Letzter Handgriff und das Buffet ist eröffnet. 18.45 Uhr, der Riesentopf mit gekochtem Reis ist beinahe leer. 3 Minuten später, Reis ist wieder genügend da. Aber Tom Jam Gung (Suppe mit Shrimps) ist alle, auch geholt und aufgefüllt. 18.58 Uhr, die Riesenplatte mit frittiertem Fisch ist zum zweiten Mal leer. 19.00 Uhr, die Fleischplatte möchte nachgefüllt werden und auch das Gemüse ist fast weg.

Gesicht verlieren geht nicht 

Ich schreite mit kiloweise Fleisch und Gemüse zum Buffet. Zwei der Hochzeitsgäste stehen auf meinem Weg und unterhalten sich. Ich bin der Küchengehilfe eines Thais, also habe ich mich auch als solchen zu verhalten und stehe still, schaue den Geästen in die Augen, lächle, schaue zum Buffet und warte. „Äh, ko toot, darf ich bitte vorbei“ geht nicht, da die Gäste ihr Gesicht verlieren könnten.

Ich sehe tief und erkenne, dass sie das nicht absichtlich tun. Also lächle ich sie erneut an und schaue zum Buffet. Tief Sehen ist eine Notwendigkeit, und Lächeln eine Sprache. Also lächle ich noch immer, wenn auch etwas verzehrt und sehe tief - in etwa so tief wie meine Arme vom Gewicht der Fuhre sich langsam verlängern und denke „Schnallt ihr es denn gar nicht, ich muss hier durch.“ Meine Heimatmentalität bricht durch, nochmals von vorn. Leichtes Räuspern, lächeln, zum Buffet schauen und ich werde verstanden. Nicht nur das, unvermittelt helfen mir die Beiden beim Tragen. „Soly, we not realize it.“

20.15 Uhr ungefähr jetzt wäre eine Infanteriekompanie der Schweizer Armee gesättigt. Nicht aber die Hochzeitsgäste. Die Stimmung ist gut und der Hunger riesig. Zwei Stunden später und nach etwa fünfhunterdreiunfünfzig Mal hin her gehen, vielen Komplimenten für das gute Essen ist Ab- und Aufräumen angesagt.

Endlich Feierabend

00.30 Uhr Wir sind im kleinen Restaurant von Cop. Der Pick Up ist entladen und alles an seinen Ort verstaut. Feierabend.

Geschafft: Zu viert für 200 Leute gekocht. Zeit für ein Bier.
Cop spendiert ein Bier. Das Brautpaar war mit uns offenbar sehr zufrieden, wir haben ein großzügiges Trinkgeld erhalten.

Wie war das jetzt noch mal mit der einfachen Tätigkeit in meinem Lieblingsferienland. Nach dem kleinen Einblick in diese Arbeitswelt den Ausblick erweitern? Von Cop hätte ich aufgrund guter Arbeit statt 400 sogar 500 Bath erhalten. Dazu käme noch den Trinkgeldanteil von 200, macht zusammen 700 Baht, also gut 20 Franken.  

Gesetzlicher Mindestlohn in Thailand beträgt 300 Baht

700 Baht sind ein guter Tagesverdienst in Thailand. Der gesetzliche Mindestlohn wurde auf den 1. Januar 2013 von 200 auf 300 Baht angehoben. Ein durchschnittliche Thai Familie verdient pro Monat rund 23'000 Baht, knapp 700 Franken. 

In Thailand arbeiten üblicherweise Frau und Mann. Sobald sie können, steuern auch die Kinder etwas bei. Häufig werden noch die Eltern unterstützt, wohnen sogar im gleichen Haus. 

Gearbeitet wird meist 6 Tage die Woche. Ausnahmen sind Staatsangestellte und gut dotierte Jobs in der Privatwirtschaft für Leute mit Universitätsabschluss. Viele, wenn nicht die meisten Thais arbeiten ohne Arbeitsvertrag.

Mein Experiment - ein Tag mit Thai Verdienst

Ich bezahlte mir den theoretisch verdienten Betrag selber aus und reduzierte mein Tages Feriengeld auf die 700 Baht. Mein Szenario: nächster Tag ist freier Tag, die Rechnungen sind bezahlt. Meine Frau und ich unternehmen was.

Günstig und trotzdem teuer

Auf dem Weg nach Hause stoppe ich beim 7-Eleven. Eine große Flasche Bier Chang (43) und ein Packet Zigaretten, zur Feier des Tages teure Marlboro Light (90), was zum Knabbern (20) und, preisbewusst, kein Duschgel, sondern Seife (20). Zuhause angekommen mit nun 527 Baht im Sack war Duschen angesagt. Wer hat sich schon mit Seife geduscht und die Haare mit Seife gewaschen?

Als die Seife das erst Mal aus meiner Hand glitscht, erinnere ich mich, das mir das als Kind ab und zu auch passierte. Als Kind war ich im Aufheben wohl noch geschickter. Seife zum Haare Waschen geht. 

Obwohl, das Wasser in Thailand ist beinahe frei von Kalk und die Seife schäumt deshalb deutlich stärker als in der Schweiz. Meine Dusche dauerte so unendlich lange. Aber ich war glücklich, dass niemand mein Duschabenteuer filmte und auf YouTube stellte. Nicht, weil da mein Luxus Body zu sehen gewesen wäre.

Nach dem Duschen genossen meine Frau und ich Bier und Snack, rauchten eins. Erstaunlicherweise war das Bier schnell weg, auch die Hülle des Snacks deutlich grösser als der Inhalt. Nochmals in den 7-11, die haben zum Glück 24 Stunden am Tag offen. Noch ein Bier Chang (43 Baht), Chips (25) und eine Flasche Wasser (7). Immer noch 442 Baht im Sack. Nach Hause, relaxen und ausschlafen.

Wer spät ins Bett kommt wacht auch spät auf. Beinahe schon Nachmittag. Kein Muskelkater, leichte Schmerzen im rechten Handgelenk, ein Gruß der Limettenpressmaschine. Sirin war bereits aufgestanden und gut drauf. Den Durst löschte ich mit ein paar kräftigen Schlucken aus der Wasserflasche, so wie es Sirin offensichtlich vor mir getan hatte. 

Die leerte sich, wie ich fand, inadäquat schnell. Hunger meldet sich, also ab ins Badezimmer. Duschen mit der Seife klappt diesmal besser, auch Rasieren klappt ganz gut, trotzdem darf sich der Rest der Seife auf ein sehr langes Leben freuen.

Schon mehr als die Hälfte weg als der Tag erst richtig beginnt

Wir fuhren zur nächsten Ecke, wo einige Garküchen zum Essen einladen. Wir entschieden uns, statt zur traditionellen Reis- für eine Nudelsuppe. Unbeabsichtigt transformierte ich mich vom Thaiarbeiter zum ThaiTuri zurück.

Mein Hunger nahm leider nicht proportional zur eingenommen Nudelsuppe ab, behielt einfach sein Volumen. Sirin war nach den für sie üblichen zwei Suppen satt. Bei Suppe Nummer fünf reduzierte sich mein Hungergefühl auf Level „Für den Moment genug.“

Eine Nudelsuppe besteht aus Boullion, Gemüse, natürlich den Nudeln und wahlweise etwas Fisch, Rind- oder Hühnerfleisch. Sie kostete 30 Baht. 442 weniger 210 für das Frühstück macht noch 232 Baht für den Rest des Tages.

Kein Trinkgeld geht gar nicht

Ich verzichtete auf das Trinkgeld – das kam weder bei meiner Frau und schon gar nicht bei der Garküchenbesitzerin gut an.

Nachdem ich meiner Frau und mir noch einen Eiskaffee (2x15) vom 7-11 spendierte, bestand sie darauf, das ausgehende Toilettenpapier durch einen neue Rolle (4) zu ersetzen. Ich erinnerte mich daran, dass ich nicht mehr telefonieren konnte und kaufte für 30 ein paar Minuten Gesprächsguthaben. Da waren’s noch 172 Baht.

Dann der Hammer. „Tilac, vergiss nicht, der Tank deines Motorrades ist leer.“ Als ThaiTuri fahre ich den Tank fast leer und tanke voll. Als Thaiarbeiter tanke ich einen Liter für 44 Baht. Meine Finanzen reduzierten sich auf 128 und das kurz nach dem Frühstück. 

Damit nicht genug, Sirin erinnerte mich, dass wir uns für den Abend mit Freunden zum Essen verabredet haben.

Die Welt ist wieder im Lot - das Experiment beendet

Von den 128 nahm ich 20. Brachte sie der Garköchin - ihre Weltordnung war dadurch wieder im Lot - und ging mit Sirin ins Fitnesscenter. Pro Person 50 Baht. Saldo 8 Baht und das Experiment war beendet.

Fazit meiner Frau

Eine Flasche Reisschnaps hält länger und kostet weniger als 2 Flaschen Bier. Kauf nicht das teure Wasser aus der Flasche, sondern für 4 Baht 5 Liter bei einer Trinkwasserstation. Dann liegt noch der Beutel Eis drin und wir haben Drinks für 3 Tage.

Kein Gesprächsguthaben bedeutet in Thailand, nicht mehr erreichbar zu sein. Das lasse ich wie jede Thai Ehefrau nicht zu. Du musst ja nicht alle und jeden anrufen, sondern jederzeit von mir angerufen werden können. Zudem telefoniert man nicht mit einer Luxus One to Call SIM Karte sondern nutzt die Billig Angebote. Dann genügen 10 Baht.

Seife ist in jedem noch so einfachen Haushalt in Thailand immer vorhanden, die brauchst du nicht extra für den freien Tag zu kaufen.

Und überhaut. Ich lebe seit beinahe zehn Jahren in der Schweiz. Dein Experiment war einfach doof.

ThaiTuris Fazit

Arbeiten in Thailand ist hart und es gibt dafür wenig. Und noch weniger bleibt für Sanuk. Sanuk steht für Lebensfreude, Spass, sich belohnen und vieles mehr und tiefer. Ganz offensichtlich ist Sanuk nicht an Geld gebunden. 

Wusste ich schon vorher, habe ich mir aber nun bewiesen. Darüber möchte ich noch mehr erfahren. Ebenso klar - und zum Glück - habe ich noch viele Reisen nach Thailand nötig, um alles zu verstehen was ich verstehen möchte.





Sonntag, 31. März 2013

Arbeiten in Thailand 1 - der ThaiTuri wagt's

Kommentare :

Sonntag, es ist kalt draussen, grau in grau, jeden Moment beginnt es zu regnen. „Das passt ja perfekt zur vergangenen Arbeitswoche, muss das wirklich sein?“

Arbeiten in Thailand: Für Handwerker genügen bei 30 Grad Flip Flops.
Arbeiten in Thailand, meinem Ferienland. Wäre das nicht perfekt? Klar, top wäre es, den guten Schweizer Job in Südostasien ausüben zu können. „Muss nicht unbedingt sein“, denk ich mir, „eine einfache Tätigkeit mit einem monatlichen Zustupf aus dem Ersparten..“

Genau hier platzt mein Traum und ich werde abrupt in die Wirklichkeit zurückkatapultiert. Erstens reicht das Ersparte kaum und zweitens: Ich war einen Tag angestellt als Küchengehilfe eines kleinen Restaurants mit Catering Service. Zu den in Thailand üblichen Konditionen. 

Wie in den meisten anderen Ländern auch, gilt für Touristen in Thailand ein Arbeitsverbot. Mein damaliger Chef, eigentlich mein Schwager, und ich einigten uns deshalb, den Tagesverdienst von 400 Baht, umgerechnet 12 Franken, und den Trinkgeldanteil einem bekannten Kinderheim zu spenden.

Arbeit ist eine auf Einkommen gerichtete Tätigkeit. Ohne Einkommen keine Arbeit und ohne Arbeit kein Arbeitsverbot. Tönt gut, wird im Zweifelsfall wohl nicht weit reichen. Sicher nicht in Thailand, da landet man ohne Workpermit bei einer Kontrolle einfach mal im Gefängnis. Im Zweifelsfall genügt schon das Sitzen am falschen Platz im Restaurant, das einem gehört und von der Ehefrau betrieben wird.

Arbeitsbewilligung oder Workpermit Thailand

Voraussetzung für eine Arbeitsbewilligung oder das Workpermit in Thailand ist ein Business Visum, das sogenannte Non O Immigrant Visa B. Auf dieser Basis kann eine Firma – es muss eine Firma sein, nicht der Antragssteller selbst - ein Workpermit beantragen.

Die Firma muss begründen, weshalb sie für diese Arbeit einen Ausländer benötigt und nicht einen Thai anstellen kann. Erschwerend kommt dazu, dass es eine ganze Menge an Berufen gibt, die Thais vorbehalten sind. Darin enthalten sind beinahe alle handwerklichen Tätigkeiten, aber auch Taxifahrer, Reiseführer und viele mehr.

In einer Bewilligung wird genau festgehalten an welchem Ort und welcher Arbeit nachgegangen werden kann. Die Firma muss pro Arbeitsbewilligung für einen Ausländer vier Thais anstellen. Der Ausländer selbst wird steuerpflichtig, da die Thai Behörden nicht annehmen, dass er für einen Thai Lohn arbeiten wird. Ab einem Einkommen von 150'000 Baht pro Jahr, rund 4'500 Franken, werden 15% Steuern fällig.

Die Arbeitsbewilligung gilt für ein Jahr und ist unabhängig von der Gültigkeit des Einreisestempels.

Catering für 200 Personen – Anweisungen gibt's in Thinglish und Thai

Der Auftrag war, ein Abendbuffet für eine Hochzeitsgesellschaft von 200 Personen zu kochen. Mein Schwager Cop führt sein kleines Restaurant zu zweit. Für grosse Anlässe wie diesen greift er auf sein grosses Netzwerk zurück. Dieses Mal versagte seine Organisation und so kam ich, der ThaiTuri, ins Spiel. Als einmalige Verwandtenhilfe, ein normales, legitimes Handeln oder nicht?
ThaiTuri Peter's Arbeitsort in Thailand: schöner Flecken für Gäste.
12.15 Uhr. Die Crew erreicht einen privates Grundstück ausserhalb der Stadt, direkt am Meer. Dieser schönen Ort kann mit der gesamten Infrastruktur gemietet werden. Für eine Hochzeit genau richtig. Ruhig, romantisch und mit allem ausgestattet, was es für ein rauschendes Fest braucht.

Die Küche ist ein kleiner Raum mit ein paar Abstellmöglichkeiten, Licht, Wasser und Waschbecken, fertig. „Na toll, um 18.30 Uhr kommen 200 gut gelaunte, hungrige Hochzeitsgäste.“ Mit mir stehen fünf Personen im Raum mit fast nichts drin. Chef Cop meint: „Peter, hol mal die Plastiktasche mit den gekühlten Getränken und den Snacks für aus dem Auto. Vor der Arbeit erst mal stärken.“ Die Anweisungen gibt’s für den ThaiTuri in Thinglish und Thai.

Wie alle Thais wird mein Schwager nur mit seinem Kosenamen gerufen. Cop bedeutet übersetzt Frosch – witzig, welche Namen Eltern in Thailand ihren Kindern geben. Was er als kleiner Bub wohl so angestellt hat? 

Der ThaiTuri kommt ins Schwitzen

13.00 Uhr, 5 1/2 Stunden vor dem Countdown. Cop: „So Leute, los geht’s, ihr wisst wies läuft, Peter hol alles, was schwer aussieht, aus dem Auto. Jemand von uns sagt dir dann, wohin damit.“ Eine große Kiste mit irgendwas elend Schwerem drin in den Händen haltend: „Ki-Kiste. Wo?“  „Moment.“ Ich halte die mindestens 1’000 Kilo schwere Kiste ein gefühltes halbes Jahr und warte. „Peter. Kiste. Hier. Hinstellen.“  „Kap, kap.“ Ich gehe, stolpere leicht. Vermute, ich sei über meinen mittlerweile gewachsenen Bart gestolpert. Der Bart entpuppt sich als kleiner Hund, der nicht erfreut über die Störung zu reklamieren beginnt. „Peter. Gasflaschen.“ Drei riesige Stahldinger und drei große Torpedos. „Hier die Flaschen. Gasbrenner da.“


Lebensmittel werden ausgepackt, alles ist frisch oder tiefgefroren und unbearbeitet. Einzige Ausnahme sind die 30 Kilo Shrimps, welche am morgen kochfertig vorbereitet wurden.

13.45 Uhr, der Countdown steht bei 4 3/4 Stunden. Die Küche ist jetzt eingerichtet und vier Personen arbeiten Hand in Hand, konzentriert, ruhig und - so scheint es - gemächlich. Aber jeder Handgriff sitzt, es sieht aus wie ein Puzzle, bei dem ohne Suchen jedes Teil genau weiß, wo es hingehört. Die fünfte Person der Crew steht mit schweiß nassem T-Shirt im Schatten und gönnt sich ein Glas Wasser, während er auf weitere Instruktionen wartet. 

ThaiTuri Peter's Frau Siren: Erste Gerichte sind bereit.
Die folgen bald. „Peter, hier, Limetten so schneiden, dann so in Presse legen, dann Hebel so runterdrücken.“ Ich schaue zu und mach das Gezeigte nach. „Genau, gut, weitermachen. Mit allen Limetten, hier.“  6 Säcke zu je fünf Kilo Limetten warten auf mich. Zerschneiden, Pressen, Saft in die Schüssel. Die ist sehr groß und soll voll werden. „Das Teil hat wohl ein Loch.“ Denk ich mir. Und gestehe, dies wirklich kontrolliert zu haben. Es hatte keins und ja, ich füllte die Schüssel.

Immerhin gab's in der (Wasch)küche ein Waschbecken.
16.45 Uhr, noch 1 3/4 Stunden. In der Küche brutzelt und kocht es, zu den 32° Außentemperatur kommt die Hitze des Kochens und der drei Gasbrenner hinzu. Der Wasserdampf möchte wohl für zusätzliche Stimmung sorgen und erhöht die eh schon hohe Luftfeuchtigkeit auf 120%. Der kleine Küchenraum platzt aus allen Nähten. Alle arbeiteten auf sehr kleinen Arbeitsflächen. Es ist eng, stickig, viele Küchen- und Kochgerüche steigen gleichzeitig in die Nase. Dann die Hitze in dieser Waschküche: Hilfe ich bin in einem Tumbler, holt mich hier raus. Es fehlt nur, dass er sich zu drehen beginnt.

„Du machst das freiwillig, so schlimm ist es nicht und schlimmer wird es nicht mehr werden.“
   
Leider ein Irrtum. Weshalb und warum es besser ist, eine Flasche Reisschnaps als zwei Flaschen Bier zu kaufen, folgt in Teil 2: Arbeiten in Thailand - der ThaiTuri übersteht's.