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Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

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Sonntag, 5. Oktober 2014

Short Time in Pattaya - über Beer Bars und die Walking Street

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"Sawadee kah, I am Noi, nice to meet you."
     "Im Peter, nice to meet you too." 
"Where do you come from?" 
     "I am from Nong Prue." 
"No, I dont mean where your hotel is, I mean, where you come from." 
     "I come from Nong Prue, no Hotel." 
"Khun have Ban in Nong Prue? You live here?"
     "Yes, something like that." 
"Are you married?" 
     "Yes."
"Thai or Farang?"
     "I am a Farang."
"No, I mean your wife."
     "Sorry, my wife is Thai, she will pick me up in one hour."
"Short time ist not for you!?"

Ich weiss nie, ob das eine Frage oder eine Feststellung ist und was genau gemeint ist. Immerhin, eine Stunde für ein Bier ist für mich alles andere als eine Short Time.

Pattaya Beer Bar
Beer Bar in Pattaya: auch für Short Time mit nur Bier.
Ich sitze früh abends als einziger Gast in einer dieser hufeisenförmigen Beer Bars. Zwölf wackelige Hocker, ein abgenutzter Billiard Tisch. Auf dem Fernseher läuft irgend ein Premier League Spiel von letzter Woche, aus den überdimensionierten Boxen dröhnt Techno. Einige der Frauen frischen ihr Make Up auf, andere chatten über Line.

Noi muss um die Dreissig sein. Wie alle in der Bar verdient sie ihren Lebensunterhalt nicht mit dem Bier, das sie mir bringt. Schon eher mit Kennenlernen, ein bisschen Schmus, Vier gewinnt oder Billiard Spiel, dann bezahlt der Gast dem Wirt eine Entschädigung für den Arbeitskraftausfall. Der Deal zwischen Gast und ihr bleibt ihre Sache, auch, was sie dann treiben. Ob das Treiben selbst das Ziel ist, bleibt ein Mysterium.

Abertausende dieser Geschichten, lustig und traurig, erschütternd und beglückend, kursieren im Internet. Viele Bücher wurden darüber geschrieben, Filme gemacht. Sie sind das, was Pattaya bekannt gemacht hat.

Man mag darüber und über Sextourismus denken, was und man will. Aber kaum zu glauben, wie bei so vielem in Thailand, wie subtil alles läuft. Man ist mitten drin und merkt es nicht einmal.

Beer Bar Pattaya
Bar Meile in Pattaya: "Du sitzt mitten drin."
Als ich nach einer Reise durch Kambodscha für zwei, drei Tage das erste Mal in Pattaya war und in einer Beer Bar sass, fragte ich meine allwissende Begleitung: „Und wo läuft den nun das, was hier so laufen soll?“ „Du sitzt mitten drin.“

Die eher offenherzige Kleidung der Frauen hatte ich dem Umstand zugezählt, dass es eben eine Bar war, in der ich sass.

Das Image von Central Pattaya und der Walking Street von heute war die Realität der späten Neunziger. Damals gab es wenige Shops, keine hypermodernen Einkaufszentren, nur ein paar Restaurants, dafür umso mehr offene Flächen mit Beer Bars gleich im Dutzend aneinander gereiht. Der Walking Street entlang ein A-GoGo Schuppen nach dem anderen.

Eingang zur Walking Street früher, heute eckig und ohne Bild des Königs.
Sie begann und beginnt am grossen Tor. Walking Street steht neongrell darüber und natürlich war und ist ein Porträt des Königs da. Sein Blick nicht in die berüchtigte Strasse gerichtet. 

Heute sind da viel mehr Geschäfte, Shisha Bars, Discos und Clubs. Mehr von dem, was Paare im Urlaub nicht missen wollen. Die Walking Street der Neunziger entsprach meiner romantisierten Vorstellung eines Vergnügungsviertels von GIs. Die 300 Meter von heute scheinen friedlicher als damals, viel Schlechtes ist verschwunden. Oder unsichtbar geworden, hat sich vielleicht in die Hinterviertel verzogen.

Ich hoffe verschwunden. Was man auch immer von der Vorgehensweise halten mag, Thailand hat in den letzten 15 Jahren vieles getan und das nicht erfolglos. Machte Pattaya auch für normale Touristen wieder zugänglicher und interessanter.

Pattaya Walkingstreet 60er Jahre
Pattaya 1979: Ein Schweizer war schon da.
Dort wo heute ein Hip Hop- oder Houseclub oder beides betrieben wird, war früher eine Live Music Bar. Von diesen gab es früher einige. Oft spielten erstaunlich gute Coverbands, der Sound immer ein paar Dezibel zu laut

In eben einem dieser Houseclubs, früher meine Lieblingsmusikbar, bestellte ich am Tresen ein Bier. Ein Mann drehte sich zu mir um und sagte mit amerikanischen Akzent: "Its my turn." "Sorry, i didn’t saw that youd like to order a drink." 

"I was here a long time before you, a really long time." "What do you like to drink?" bot ich an. Kurze Zeit später erfuhr ich, was dieser ältere Mann meinte, als er sagte er sei lange, sehr lange vor mir hier gewesen. 

1968 Walking Street Pattaya
1968: Blick von der Walking Street auf die Beach Road. Noch ohne Eingangstor.
Ich sass mit einem ehemaligen GI zusammen, der im Vietnamkrieg gedient hatte und seine Rest & Recreation Tage hier verbracht hatte. Der Mann war ein brillanter Erzähler. Erzählte wie es damals in Pattaya war, wo was hier oder eben mehr dort stand.

Wie verrückt Pattaya war, für ihn aber der friedlichste und normalste Ort der Welt. Viele Storys, aber nicht ein Wort von dem, was er in Vietnam erlebt hatte. Als, wenn ihm nur die Zeit, die er hier verbrachte, im Gedächtnis geblieben wäre. Wie viele Soldaten mit Kriegserlebnissen, sie behalten das Unerträgliche für sich. 

„Shit, i had a good time here. I think, Im still alive because i could be here.“ Ab und zu besucht er den Ort, der ihm die gute Zeit gab. Die wohl nur deshalb gut war, weil das, was dazwischen war, weniger gut war. Heute trifft man solche Männer kaum mehr. 

Auch seine Walking Street ist nicht mehr die, die er als junger Mann während des Krieges besucht hatte, nicht einmal mehr der Torbogen über dem Eingang.



Samstag, 20. September 2014

Strandurlaub in Pattaya? Nein, sagt der ThaiTuri und kommt doch ins Träumen

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Wir leben nahe am Meer. Es zu sehen dauert nur ein paar Fahrminuten. Für jemanden wie mich, der das Meer liebt, ein Privileg. Pattaya hat viele Strände. Der Schönste, sagt man, sei Jomtien. Mich faszinieren die Strände und das Meer weniger wegen atemberaubender Schönheit. Strände und Meer in Pattaya haben etwas von mir. Die Schönheit erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Sie will entdeckt werden.

Beach Pattaya
An der Beach Road: Strandleben Downtown Pattaya.
Weil dem so ist: Immer wieder erstaunt mich, wie viele Familien den weiten Weg nach Thailand nehmen und dann ihren Strandurlaub in Pattaya verbringen. Thailand bietet viele wunderschöne, sogar atemberaubende Strände. Palmen umsäumt, weisser Sand, zerklüftet mit Felspanorama, kilometerlang und nichts als Sand. Aber die gibts nicht hier, in Pattaya.

Shoppen, Relaxen und den Bauch voll schlagen passt

Nach einer Rundreise nicht weit weg vom Flughafen ein paar Tage ausruhen, shoppen und gut Essen. Nicht allzu teuer. Dann passt Pattaya. Strandurlaub für 2, 3 Wochen, auch noch mit Familie? Besser nicht, oder nur für erprobte Rimini Urlauber. Dann gibt’s dazu noch ausschweifendes Nachtleben nicht nur für Paare. Und das beginnt schon am Tag. Aber deshalb so weit fliegen?

Pattaya Thailand
Blick von den "Hollywood Hills" auf Pattaya.
Nichts mit weissem Strand, der ins blaue Meer übergeht. Doch es fasziniert mich jedes Mal wieder, wenn ich von der Sukhumvit auf der lange ebenen, später leicht abfallenden Strasse Richtung Meer fahre. Links und rechts ein Gewusel von Gebäuden, Restaurants, Shops, vollgestopfte Strasse, dann plötzlich das Meer.

Man denkt, geradewegs ins Meer zu fahren. Löst man sich lange nicht vom Anblick passiert’s. In der Haarnadel Kurve. Weiter entlang der dreispurigen Beach Road, neben mir Strand und Meer. Nur die Strandpromenade trennt vom schmalen mit Sonnenschirmen übersäten Strand.

Beim Shoppen auf’s Meer blicken. Geht ganz einfach im Central Shopping. Hotelzimmer mit Meerblick sind teuer, Shopping Bummel mit Meerblick gratis. Ausser man kauft was. Aber das ist deutlich günstiger als in der Schweiz.

Im ersten Stock des Massagesalons gleich beim Mike Shopping eine Fussmassage für 200 Baht geniessen und durchs grosse Panoramfenstener auf Strand und Meer gucken, gibt’s was besseres? Ja, einfach zum richtigen Zeitpunkt hin, dann ist der Sonnenuntergang über dem Golf von Thailand mit inklusive.

Pattaya Beach Massage
Thai Massage ist ein Genuss, für manche auch am Strand.
Es gibt sie, die kleinen, ruhigen Restaurants mit frischen Fisch, für mich eher Meeresfrüchte, gleich am Meer. Verträumt wecken sie Nostalgie, sehen aus wie Kolonialzeit. Einfach weit, weit weg von Beach Road und Walking Street, am Ende der Jomtien Beach finden sie sich.

Da kommt selbst der ThaiTuri ins Träumen

Wär' ich Fischer, hätt’ ich ein Haus, sicher von den Gewalten des Meeres, aber so nah wie möglich am Meer. Durchlüftet mit frischer Meeresbrise und kürzestem Arbeitsweg. Wie das einst in Pattaya war, bis in die 60er Jahre. Bevor GI’s, stationiert im nahen Sattahip und U-Tapao für den Krieg in Vietnam, die Bucht für ihre Rest & Recreation Tage entdeckten.
  
In Nakluea, das bedeutet Salzfelder, ich nenn’ es Alt-Pattaya, dem nördlichen Teil der Stadt finden sich diese alten Häuser aus Holz noch. Mit offenen Augen gibt es viel zu entdecken. Wie der Handel funktioniert und es früher gewesen sein muss. 

Gehe ich hier an den Strand, mit einem Drink in der Hand, sehe ich noch Fischer auf ihren Booten, die Körbe voller Fisch. Sie winken mir zu, tragen Sarong oder die typischen Dreiviertelhosen, die Oberkörper durchtrainiert wie es ein durchschnittlicher Mitteleuropäer nur in vielen Stunden Fitnesscenter erreicht.

fisherboat nakluea pattaya
Fischerboot vor Nakluea.
Ich liebe diese Szene, kann immer wieder davon träumen. Von meinem Pattaya in früheren Zeiten. Ich sehe Bilder, aus Büchern entnommen zur Realität geformt und erwecke meine eigene Welt zum Leben.

Der Mittwoch wird zum Strandsonntag

Auch wir geniessen regelmässig sonntäglichen Strandbesuch. Nicht jede Woche und vor allem nicht am Sonntag. Dann wird Pattaya zusätzlich zu allen Farangs von Wochenendausflüglern aus Bangkok überflutet. So machen wir den Mittwoch zum Sonntag.

Gar nicht weit weg von der Stadt, aber für die Touristen doch unerreichbar. Gegen Rayong zu oder etwas eingeschränkt in die andere Richtung. Für mehrere Nächte wählen wir Ko Samet, manchmal Ko Chang. Dort gibt es wirklich schöne Strände und besonders auf Samet das besondere Inselfeeling.

Hidden Bay near Pattaya
Menschenleere Bucht unweit von Pattaya.
Für einen Tagesausflug am Strand bietet sich Ko Larn, die kahle Insel an. Vorgelagert vor Pattaya, nur 2'598 Wellen. Eigentlich 4 Seemeilen. Speedboote sind im Vergleich mit den Fähren wohl etwas teurer, dafür hat man sie für sich. Sie sind viel schneller und dann kommt auch gleich die ganze Familie zu einem Erlebnis.

Beim letzten Besuch war "unsere" Bucht gut besucht, nicht übervoll. Hinter dem Strand gibt’s ein Restaurant, daneben Toiletten und Duschen. Getränke und Essen wird an die Liege serviert. Etwas teurer, aber an einem schönen Ort. Wie in der Schweiz. Auf dem Säntis kostet die Flasche Bier auch mehr als in Frauenfeld im Ochsen.

Gemäss Getränkekarte kostete ein kleines Chang 69 Baht. "Nong kap,  Bia peng maak maak.“ Der Kellner antwortete: "Mai peng, 59 Baht." Das Bier, wie auch alles Folgende, war dann günstiger als auf der Karte. Ein kleiner Vorteil wenn ich mich unter Touristen mische. Oft passiert mir das auch in der Stadt.

String Tanga und Rüschenhöschen, Tipp für Männer

Anders als am Mittelmeer sieht kann man hier die Bademode der letzten 50 Jahr bestaunen. Danke an all die Russen aus Irkutsk, Nowosibirsk und Wladiwostock. Es gibt keine Thais und so ist es opportun sich nach westlichen Massstäben zu badekleiden.

Ich dachte immer, in den 70ern hätte Frau nur Bikini Höschen getragen. Kann sein, denn eine gut aussehende Dame trug ihr Teil von damals. Das Oberteil wie neu, das Höschen ausgebleicht. Aber auch aktuelle Trends, oft von schönen Körpern präsentiert, sind zu sehen. Sexy, manchmal schon zu sehr. Ich weiss noch immer nicht, ob ich String Tangas loben oder verfluchen soll. Es gibt da Bilder in meinem Kopf, die ich nicht haben will.

Noch was für Männer. Möglicherweise verringert sich der Sexappeal im Lauf der Zeit. Unschön, aber nicht wirklich zu verhindern. Als Faustregel gilt, dass sich die Badehosengesamtfläche im Lauf der Zeit vergrössern, nicht verkleinern sollte. Und nicht nur aufgrund des wachsenden Körperumfangs.

Pattaya Sundown
Schöner Blick zum Fenster raus bei der Massage.
Das Meer von einem der Hügel in Südpattaya, ich nenne sie Hollywood Hills, weil nahe der Walking Street und diese Strasse Träume und Albträume produziert wie sie Hollywood verfilmt. Die Strände, wo tagsüber die Touristen liegen. Die Strände, an denen man an Wochenenden die Bangkoker trifft. Noch vieles mehr gibt es zu erzählen.


Wenn ich es mir so überlege, sind Strände und Meer von Pattaya schon eine Reise wert.


Samstag, 12. April 2014

Farewell Mae - Abdankung und Beerdigung in Thailand Teil 1

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Eben kam ich von einer Besprechung in mein Büro zurück und checkte mein iPhone auf verpasste Anrufe. Zwei verpasste Anrufe meiner Frau. Rückruftaste. Tief durchatmen. Meine Frau antwortete: "Tee rak, Mae..", dann ein unterdrücktes Weinen. Ich wünschte meiner Frau viel Kraft und sagte, dass ich auf dem Weg nach Hause sei. 
Der ThaiTuri fliegt nicht nur in die Ferien nach Thailand.
Was war geschehen? Meine Frau erhielt den erwarteten Anruf. Ihre Mae (thailändisch für Mutter) war eben gestorben. Das dieser Anruf kommt war gewiss, nur wann eben nicht. Was der Verstand wusste, wollte das Herz meiner Frau nicht wahrhaben und wenn es dann wahr wird, sollte man nicht alleine sein.

Farewell Mae - Abdankung und Beerdigung in Thailand Teil 2

1 Kommentar :
Der Trauerbegleiter kam dazu, die Familie nannte in Ajahn, was eigentlich Lehrer bedeutet. Ein Titel, welcher in Thailand nicht nur an eigentliche Lehrer, sondern an geachtete, gebildete Leute vergeben wird
Der Ajahn checkt, ob die Jungs auch schön brav sitzen.
Er organisiert das Weltliche und Verwaltungstechnische im Namen des Wats und der Mönche, arrangiert und organisiert die Gebete, begleitet die Zeremonien und ist Bindeglied zwischen Trauerfamilie und Wat. In unserem Fall machte er das freiwillig, nebenamtlich und unentgeltlich. Er sieht dies als seine Glaubensaufgabe. Gutes tun des Guten Willen.

Montag, 23. Dezember 2013

Nach Thailand reisen - der ThaiTuri hebt ab

1 Kommentar :
Dieses Jahr war nichts mit ein paar Tagen Thailand unterm Jahr. Jedes Jahr nehme ich mir vor, irgendwann im Sommer ein paar Tage abzudüsen und jedes Jahr geht das dann irgendwie unter. 
Ab nach Südostasien. A380 der Singapore Airlines kurz nach dem Start in Zürich über dem Appenzellerland.
Muss wohl noch etwas an meiner Work-Life-Balance arbeiten, nein, mich nicht von der Arbeit erdrücken lassen. Aber bald ist’s endlich soweit. Mit jedem kürzeren Tag naht auch die Rückkehr in mein Luftwurzelland Thailand.

Flug nach Thailand buchen

Die Tickets sind gebucht und bezahlt. Den richtigen Zeitpunkt für die Buchung gibt es nicht, aber den Optimalen. Ich setze mir ein Budget, schau mir die Flugpreise vor und nach den Schul-Sommerferien an und schlage zu, wenn der Preis dem Budget entspricht und die Fluggesellschaft dahinter nicht zu abenteuerlich scheint. Mal buche ich schon im August, ein anderes Mal sozusagen beim Kofferpacken.

Die aus meiner Sicht beste Übersicht über die aktuellen Preise gibt es bei Ebookers. Den Flug selbst aber meist besser direkt online bei der Fluggesellschaft buchen. Dann fallen die Gebühren des Anbieters weg und der Sitzplatz wie auch spezielle Wünsche können gleich einfach mit gebucht werden. 

Einreise nach Thailand

Diesmal entfällt die Antragstellung für ein Visum. Ich erfülle mit 30 auf den Tag genau die Aufenthaltsdauer für die Einreise ohne Visum, mein Pass ist noch mehr als 6 Monate gültig. Die Arrival/Departure Card wird im Flugzeug verteilt, erhält man aber auch am Schalter vor der Passkontrolle. Das Formular im Flieger ausfüllen mindert meinen Ungeduld- und Nervenspiegel. Und wär dann auch schön doof, nach einer Stunde ohne vor dem Zollbeamten zu stehen.

Dafür nimmt man die lange Reise auf sich: Sonnenaufgang am Strand von Ban Krut.  

Reisevorbereitung = Einkaufsliste

Die Reisevorbereitung beginnt bei mir ein, zwei Tage vor der Reise zurück in die Schweiz. Eine Liste muss erstellt werden.  Mit allem was unser Zweithaushalt in Thailand braucht. Mal ist es eine Wasserschlauchkupplung oder Aromat, mal ein Daunenkissen. Kriegt man wohl auch in Thailand, aber die sind so klein und fühlen sich irgendwie anders an. 

Ich gebe es zu, ich behaupte anpassungsfähig zu sein und auf vieles verzichten zu können ohne es wirklich zu vermissen – andererseits bin ich auch nicht mehr 20 und muss gleich in die Rekrutenschule einrücken. 

Meine innig geliebten Nespresso Kaffeekapseln und original schweizerischen Kaffeerahm. Die Maschine habe ich schon vor Jahren mit Mühe und Not durch den Zoll am Suvarnabhumi Airport gebracht. Klar gibt es in Thailand auch Kaffee und Milch.
Im Coffee Next Door in Ban Krut gibt's richtigen Bohnenkaffee, aber keinen Schweizer Kaffeerahm.
Nur, ich mag keine Milch, weder von Kühen noch von Schafen oder Ziegen in meinem Kaffee. In grossen Supermärkten gibt’s Kaffeesahne, aus Deutschland oder auch aus Dänemark oder Holland. Die ist sicher gut, nur eben nicht „mein“ Kaffeerahm. Und schon gar nicht mag ich Instantcafé oder noch schlimmer die 3 in 1 Tütengemische, die in Thai Haushalten Standard sind.

Was für uns Brot ist für die Thais Reis. Ich habe Reis gern, esse in oft. Nur, für mich bleibt Reis definitiv Reis und ist nur sättigungstechnisch Brotersatz, aber sonst dasselbe wie Nudeln oder Kartoffeln – Beilage zum Fleisch.

Kaum zu glauben, da wäre Reis die Hauptspeise: Pla Kapong Tod Katiam - der ThaiTuri mag keinen Fisch.
Nicht überall, aber da und dort wird Brot angeboten, aber leider nur selten so wie ich es mag. Ein dreifaches Hoch auf Frischbackbrote.  Allerdings braucht man dazu einen Backofen und das ist eines der Küchengeräte, welche die Thailändische Küche nicht wirklich braucht und somit dort nicht anzutreffen ist.
Täglich 3 Brote im Angebot: Sweet home Bakery in Bang Saphan.
Also, Kleinbackofen mitnehmen. War schon mühsam, das Teil in den Flieger und wieder raus zu hieven, aber als Fotoausrüstung getarnt und Langzeitlösung war’s mir wert. Erstaunt stellte ich aber fest: in den grossen Märkten von Big C, Tesco und auch bei Homepro gibt’s Backöfen in allen Grössen, und auch noch günstiger als bei uns. 

Zuletzt noch das Motorrad in die Vorratskammer und sommerfest einstellen. Damit beim nächsten Urlaub nur die Batterie rein muss und ich sofort mobil bin. Ich habe mir vor einigen Jahren den Luxus einer Honda PCX geleistet, etwas grösser und vor allem bequemer als die üblichen Roller. Mein Hintern hat sich schon einige Male bedankt. 

ThaiTuri Peter in thailändischer Vollmontur auf seinem Luxusroller.

Reisevorbereitung = Info, Info, Info

Zurück aus Thailand geht die Reisevorbereitung weiter. Meine Luftwurzeln sorgen dafür, dass ich am Ball bleibe. Eine davon versorgt mich mit digitalen News. Google Alerts informieren mich täglich über alles, was in deutsch- und englischsprachigen Zeitungen über Thailand geschrieben wird. Dazu kommen Besuche bei der Bangkok Post und der Nation, sowie Aufrufe von Foren und Blogs zum Thema.

Dank Thai TV Global kann ich täglich Nachrichten schauen - im wörtlichen Sinn. 
Die oft, sehr oft ausgestrahlten Thai Soap Operas, Lakorn genannt, deren Handlung irgendwie immer die gleiche ist und einzig aufgrund der wechselnden Schauspieler erkennbar ist, das eine neue Serie begonnen hat, haben aber auch ihr Gutes. Sie zeigen die momentane Mode und von welchen Accessoires und Gadgets wohl viel Thais träumen. Und meine Frau liebt sie.

Ein anderer Arm meiner Luftwurzeln ist der persönliche Kontakt zu thailändischen Freunden und Bekannten. So erfahre ich das neueste aus der Gerüchteküche und viel Tratsch und Klatsch. Dem wird, wie ich finde, gerne zu wenig Beachtung geschenkt. Aber gerade da erfahre ich viel über die Grundstimmung meiner Nachbarschaft, der Region und des Landes.

Gerüchteküche Markt: der Treffpunkt an sich in Thailand.
In Thailand, meine Erfahrung zeigt es und ich behaupte das deshalb, werden News und Meinungen oft durch das Hören und Sagen weitergegeben und gebildet: Der Arbeitskollege unseres Nachbars, sein Freund, der einen Verwandten in Bangkok hat und in der Nähe des Kongresshauses eine Suppenküche betreibt, hat gehört, dass… 

Die neusten Ereignisse zeigen, dass diese Art der Kommunikation offensichtlich gut funktioniert. Ob sie dann auch geeignet ist, eine eigene Meinung zu bilden, ist eine andere Baustelle.

Was politische Stabilität mit der Temperatur zu tun hat

In einem Land, in dem politische Stabilität etwa so lange dauert wie es in einem Jahr Tage unter 25 Grad Celsius gibt, ist es eben der Tratsch, der weit voraus auf Ereignisse hindeutet. 
Klimadiagramm von Bangkok: unter 25 Grad wird's selten.
Während offiziell stabile Lage kommuniziert wird, erfahre ich über den Gerüchte Kanal, das was im Anmarsch ist. Und immer wieder erstaunt mich wie oft die Headline der Bangkok Post voraus eilende Gerüchte bestätigt.

Dann hab ich noch eine Luftwürzelchen, dass mir objektiv seine Erlebnisse als Farang in Thailand berichtet und mich auf die scheinbar unscheinbaren, aber interessanten Zeitungsartikel hinweist.

Meine Vorbereitungsaktivitäten geben mir ein Bild, was in Thailand los ist, was in ist und wie die Stimmung ist. Thailand wäre nicht Thailand wenn der gewonnene Spiegel dann auch korrekt spiegelt. Deshalb bleibt nur eines: die gewonnene, vorgefertigte Meinung, weit, weit in hinteren Bereich des Hirns ablegen und nur zum Abgleich mit der Realität hervor holen. 

Damit ich Thailand immer wieder so erleben kann wie Thailand eben ist und nicht wie ich meine, das Thailand sein müsse. Und damit ist auch sichergestellt, dass ich nach meinen Ferien was zu erzählen habe.



Freitag, 3. Mai 2013

Tief sehen ist eine Notwendigkeit und Lächeln eine Sprache in Thailand

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Das erste Mal in Thailand. Ankunft in Bangkok, damals noch am Don Muang Flughafen, und mit dem Taxi ins Hotel. Der Fahrer bemerkte schon bald: „Ah, ihr erstes Mal in Thailand“.
Beeindruckend, nicht nur beim ersten Mal in Thailand: die Skyline von Bangkok.
War ja auch nicht schwierig zu erkennen. Neugierig wie ich alles, was an uns vorbei rauschte, bestaunte. Im Hotel angekommen. Check in. Die Dame an der Rezeption wünschte mir für meinen ersten Aufenthalt in Thailand viel Vergnügen. Ich hatte in meinen Pass den einen oder anderen Stempel, aber noch keinen von Thailand. Ich dachte: gut kombiniert und in einen freundlichen Wunsch umgesetzt.

Abends im Restaurant. Klar bestellte ich etwas Thailändisches. Bestimmt stellte der Kellner fest, dass ich das Essen wohl nur wenig scharf möchte. Ebenfalls klar bestellte ich normal scharf. Auch klar, ich bereute es bereits beim ersten Bissen.

Und es begleitete mich während meines gesamten Aufenthaltes. Die Verkäuferin im Einkaufszentrum, der Lift Boy im Hotel, der Kontrolleur im Sky Train. Alle stellten sie fest: „Ah, ihr erstes Mal in Thailand.“

Ein paar Besuche später wechselte die Frage zu „Sind sie geschäftlich hier?“ Die Bestimmtheit des Kellners änderte sich nicht, nur das ich seine Feststellung bejahte. Reise ich heute nach Thailand, lautet die Frage „Leben sie hier oder kommen sie öfter für länger?“ Die Kellnerin im Restaurant fragt, auch wenn ich auf englisch bestelle: „Ped? Ped nid noi, ka?“ (Scharf? Oder nur ein Bisschen?) Offensichtlich habe ich mein Verhalten geändert.
Pla Kapong Nueng Manao: Ped Maak - Fisch in Zitronensauce schön scharf mit viel Chili und Knoblauch.
Tiefer sehen. Keine übernatürliche Begabung. Eine von Generation zu Generation weitergegebene, seit Geburt geübte tiefe Aufmerksamkeit auf sein gegenüber, das Beachten von kleinen Gesten, feinen Regungen. Man erfährt Dinge, die nie ausgesprochen werden müssen.

In Thailand gehen die Menschen behutsam miteinander um und achten sehr darauf, dass jede Frau und jeder Mann zu jeder Zeit das Gesicht bewahren kann. Ist stets freundlich und zuvorkommend. 

Niemand verliert gerne sein Gesicht

In LOS, dem Land of Smiles, ist das ganz, ganz wichtig, die wichtigste Verhaltensregel. In einem Land, in dem das Kollektiv eine weit aus grössere Bedeutung als das Individuum hat, in dem die Lehre Buddha von über 92% der Bevölkerung als Glaube verstanden und gelebt wird - und wohl noch ein paar Umstände mehr - wird dieses Verhalten seit Generationen vorgelebt und vermittelt.

Buddha lehrt, dass alle Dinge „Leiden“ sind. Ich verstehe das so: Der Mensch begehrt von Natur aus. Nach Nahrung, Wärme, Schutz. Hat er dies, begehrt er nach mehr. Wie im Lied von Hans Dampf. Was er hat, will er nicht. Was er will, hat er nicht.

Nun lehrt Buddha, einfach gesagt, dass Menschen, die nicht mehr Begehren und sich von allen Zwängen befreit haben, Glückseligkeit erreichen. Das erreicht man unter anderem, indem man richtig sieht, richtig hört, richtig fühlt, richtig spricht.

Wird dieser Glaube in einer Gesellschaft gelebt, bemühen sich alle, das eigene wie auch das Gesicht des anderen zu wahren. Richtig hören und richtig fühlen bedingt das Gegenüber richtig wahrnehmen und situativ richtig agieren. Kritik oder Belehrungen sind, wenn überhaupt, im Masse anzubringen.

Sprechen mit Lächeln

Wer das selbst versucht, wird merken, wie schwierig das ist. Nun kommt das Lächeln als Sprache ins Spiel. Das erleichtert ungemein. Der Kassier gibt zu wenig heraus. Man schaut ihn an, lächelt, schaut zum Geld, wieder zu ihm, und lächelt wieder. Weil er richtig fühlt und sieht, bemerkt er den Fehler und gibt den richtigen Betrag mit einer Entschuldigung.

Statt der Kellnerin zu erklären, dass zu einem Rotwein ein Rotweinglas und keine Plastikbecher gehören, trinkt man den Wein lächelnd aus dem Plastikbecher. Wo zu Rotwein Plastikbecher serviert werden, ist es eher unüblich, dass Wein bestellt wird. Man hat das entweder billigend in Kauf genommen oder eben nicht richtig gesehen. Som namm na, selber Schuld. Sagte ich meinen Freunden am Tisch.

Wahrscheinlich von uns animiert, bestellten die Gäste am Nachbartisch ebenfalls eine Flasche Wein. Und erhielten Weingläser dazu. Die netten Kommentare meiner Freunde führten zu fröhlichem Gelächter und bewegte die Kellnerin, uns umgehend ebenfalls Weingläser zu bringen. Die Stimmung konnte nicht besser sein. An diesem Abend schauten wir etwas tiefer als üblich - in die Weingläser.

Wenn man denkt, man habe es begriffen, kommt es vielleicht doch anders. Die Sprache des Lächelns muss gelernt sein. Wann ist einfach, einfach immer - und vor allem dann, wenn es einem eigentlich vergangen ist. Lächelt man trotzdem ist, es nur noch halb so schlimm. Das hilft wirklich, wenigstens mir.
Markt in Thailand: Lächeln ist eine Sprache, welche die Ware noch frischer macht. 


Unser wichtigstes freundliches Signal ist das Lächeln. Mit dieser angeborenen Verhaltensweise sind wir in der Lage, uns mit völlig Unbekannten anzufreunden. Ein Lächeln entwaffnet. Erst kürzlich las ich von einem amerikanischen Sergeanten, der sich plötzlich zwei Vietcong Soldaten gegenüber befand. Sein Gewehr versagte, und da lächelte er, was seine Gegner hemmte. Misstrauen und Angst liessen den angebahnten Kontakt jedoch sofort wieder ersterben. Der Amerikaner lud durch und tötete seine Gegner. (Aus aus dem Buch Liebe und Hass von Irenäus Eibl-Eibesfeldt)

Wie Farang einer Thai erklärt, was ein Tram ist

Wenn und wie eher schwieriger. Als ich das erste Mal mit meiner Frau, nach Zürich ging, fragte ich sie „Weißt du, was ein Tram ist?“ In Thailand gibt keine. Fälschlicherweise lächelte ich, während ich fragte. Das Lächeln übersetzte sie mit: jeder weiss, doch was ein Tram ist. Entsprechend war ihre Antwort „Ja, sicher.“ Der unsichtbare Kommentar von ihr lautete wohl „Keine Ahnung.“

Als wir durchs Stadtzentrum spazierten meinte sie Zürich sei wirklich schön. Nur, dass sehr viele Züge fahren. Beim nächsten Tram das uns entgegen kam fragte ich sie „Weisst du weshalb die Trams hier weiss-blau sind?“ „Weiss-blau ist die Flaggenfarbe der Stadt und des Kantons Zürich.“ Sie fragte mich, wie viele Trams es in dieser Stadt gibt und lächelte. Die Frage war belanglos, meine Frau teilte mir so mit: „Ich weiss, nun was ein Tram ist. Das Lächeln hiess: „Gut reagiert, Ehemann, weiter so.“

Lächle dich selbst an

Lächeln führt dazu, dass das Hirn Endorphine produziert, die körperliche und seelische Schmerzen verringern und das Wohlbefinden steigern. Schau jeden Tag morgens früh in den Spiegel und lächle. Das wirkt und sorgt für einen guten Start in den Tag - auch bei Farangs.