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Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

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Freitag, 1. Mai 2015

Haus bauen in Thailand

1 Kommentar :
Eigentlich sollte es nur eine Garage werden. Schon als wir unser Haus in Ban Krut kauften fehlte nur eines, ein Carport für unseren Pickup. Doch es mangelte an der zündenden Idee. Irgendwie, dachten wir, passte das nicht und liessen nur einen Schuppen für Fahrräder, Motorrad und Gartengeräte bauen.


Über dem Pickup soll nicht nur ein Dach wachsen. Die Bäume sind schon gefällt. 
Jetzt, drei Jahre später war es soweit. Warum nicht anstelle einer Garage gleich ein ganzes Haus bauen, Carport inbegriffen? Nochmal nachgedacht, nochmal darüber gesprochen - der Entscheid war gefallen. Ein Plan musste her. Also nahm ich ein weisses Blatt Papier, Bleistift und Gummi.

Schon immer war ich begeistert von Thai Häusern, mit hohem, steilem Dach und grosszügiger Terrasse. Eigentlich sollte es so ein Haus werden, unser Zuhause. Aber nachdem wir beschlossen hatten, nicht im tiefen Süden Thailand's inmitten einer Kautschuk Plantage heimisch zu werden, wurde nichts daraus. Aber das ist eine andere Geschichte.


Wir sind gespannt, wie ähnlich das Endresultat der Skizze kommen wird. 
Auf dem Blatt entstand bald ein Skizze. Zwei Gästezimmer mit ansehnlich grossen Aussenfläche und Dach fürs Auto sollen es werden. Gästezimmer? Wir wohnen sozusagen direkt am Golf von Thailand, von unserer Terrasse sehen wir Strand und Meer, zu Fuss sind es zwei Minuten ans Wasser.

Die Wahl des Hausbauers

Aus der Skizze brachte ich das Haus zu Computer, erstellte mehr oder weniger detaillierte Pläne. Damit ging's Anfang März zum Hausbauer. Er hatte schon unser bestehendes Haus renoviert und gute Arbeit geleistet. Klar, er war dabei. 

Chang It, Chang steht für Handwerker, sein Name ist It, ist kein ausgebildeter Handwerker. Aber ein tüchtiger, verantwortungsbewusster Mann, der sich seine Fachkenntnisse selbst angeeignet hat und mit seinem kleinen Team in Ban Krut und Umgebung schon viele Häuser gebaut hat. Daneben besitzt er das von seiner Frau geführte Coconut Resort.

Die meisten Thais, also diejenigen mit kleinerem Budget, bauen mit Hilfe von Männern wie Chang It, oder gleich selbst. Sie arbeiten pragmatisch, günstig und verblüffen immer wieder mit spontanen Detaillösungen.

Chang It bei der Arbeit.
Sie brauchen keine Architekturbüros - das Resultat entspricht dem, was der zukünftige Hausbesitzer als Bauaufsicht mit ihnen beim täglichen Begutachten sieht und erreicht. So kann es vorkommen, dass das Haus statt 2 Meter nur 1.60 hoch über dem Boden steht, wie es einer Freundin von uns gegangen ist. Nicht immer etwas für Farangs.

Deshalb machen es einige wie die wohlhabenden Thais. Sie bauen mit einem Generalunternehmer, wie es sie auch in Deutschland und der Schweiz gibt. Das schützt nicht vor täglicher Besichtigung der Baustelle, auch das Ergebnis ist davon abhängig. Wir vertrauen auf Chang It und kaufen alle Baumaterialen selbst.    

Baubewilligung in Ban Krut

Nun, wie weiter, braucht's eine Baubewilligung? Es braucht. Mitte März ging's zur Gemeindeverwaltung. Mit Chanote, der Grundstücksurkunde, und Plänen unter dem Arm. Der zuständige Beamte war schnell gefunden. 

Erste Frage: "Haben sie die Baupläne des bestehenden Hauses?" Hatten wir nicht. Unser Haus ist rund 20 Jahre alt, Pläne hatte der Vorbesitzer nicht mehr. Grundstücksurkunden in Thailand zeigen nur das Land, Häuser sind darauf nicht eingezeichnet.  

Also auf zum Baugrundstück. Der Chef gab uns seinen Assistenten, einen jungen Architekten, mit auf den Weg. Er schaute, sagte, okay, das kann gemacht werden. Kostet 50 Baht pro Quadratmeter Bruttowohnfläche. Dafür gibt's nicht nur die Bewilligung sondern einen Bauplan mit allen Details. Er nahm meine Pläne mit und versprach, sich in 10 Tagen zu melden.

Tatsächlich, er rief an und wir vereinbarten einen Termin bei uns. Obwohl 2 Stunden zu spät, hatte er alles zur Unterschrift dabei. Nur, seine Baupläne hatten nicht viel mit denjenigen von mir zu tun. Sein Haus war ein ganzes Stück grösser - hätte keinen Platz auf dem Grundstück - und sah auch ganz anders aus. Es war eines der Musterhäuser, von denen die thailändische Regierung ihrer Bevölkerung die Pläne kostenlos zur Verfügung stellt.


Ansicht aus einem der Gratis-Hauspläne der thailändischen Regierung. 
"Nein, kein Problem, bauen sie das Haus wie sie wollen, beachten sie nur den Mauerabstand von 2 Metern zu den Nachbargrundstücken." Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war von nicht mehr als einem Meter oder gar keinem ausgegangen. 

Hausmauer? "Hausmauer. Ein Balkon oder ein Terrassendach kann näher ran, nur das Regenwasser muss im eigenen Grundstück abfliessen können", gab der Architekt als Antwort. Auch bei unserem bestehenden Haus reicht die hintere Terrasse bis 90 Zentimeter ans Nachbargrundstück.

Alles klar, wir unterschrieben und nochmals ein paar Tage später, einen Tag vor Songkran, erhielten wir die offizielle Baugenehmigung, 3 Exemplare Baupläne ohne Verwendung und eine Quittung über 6'400 Baht.

Es geht richtig los - Baubeginn

Die Bewilligung ist eineinhalb Jahre gültig. Los geht's. Am 27. April war der erste Bautag. Wir rechnen mit gut 3 Monaten Bauzeit.

Nachdem wir am Freitag zuvor 7 hohe Bäume - das Holz verwenden wir für den Bau - hatten fällen lassen, machten sich Chang It und seine 3 Mitarbeiter daran, die Wurzelstöcke zu entfernen. Eine harte Arbeit, die Stämme ragten bis zu 2 Meter tief in der Erde. Am Ende half für den Mächtigsten nur eine Kettensäge, Stahlseil und Truck.


Erst Kettensäge, dann mit Pickup daran gerüttelt und auch dieser Strunk war um. 
Heute, am Ende der ersten Woche sind die Gruben für das Fundament ausgehoben. Alles in Handarbeit im thailändischen Hochsommer. Da halfen auch die Sonnenschirme nicht viel. 

15 Minuten graben, 10 Minuten Pause, mehr liegt bei gefühlt 45 Grad im Schatten nicht drin. Gut, tragen die Mangobäume rundherum zur Zeit viele Früchte.


In Thailand kommen Handwerker mit Fahrrad oder Moped. 
Nächstes Mal geht's über Budget, Isolation und ob aus den Gruben schon was gewachsen ist.