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Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

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Mittwoch, 20. Februar 2013

ThaiTuri – Luftwurzeln in Thailand

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Der Alltag ist mehr oder weniger eingekehrt, der Ferienblues nimmt ab. Diesmal war es aber auch wirklich speziell. Wie jedes Mal nach meinen Ferien in LOS, dem Land of Smiles, habe ich das Gefühl noch etwas tiefer in das Leben in Thailand abgetaucht zu sein. Mit all den guten und weniger guten Erlebnissen noch intensiver und noch kontroverser abgetaucht – und jedes Mal erhöht sich mein Wissen über Strukturen und Zusammenhänge in Thailands Gesellschaft.
Nur wer tief taucht, braucht auch länger um wieder an seine Oberfläche zu gelangen. So dauert es eben nach Ferien in Thailand wie ich sie erlebe länger, bis man sich wieder dem Alltag angepasst hat. Es ist eben doch was anderes als 2 oder 3 Wochen Strandurlaub in der Liegematte. Man erhält nicht nur mehr, sondern nimmt auch etwas von der Seele Thailands mit sich nach Hause - Gutes wie Kontroverses. Vor allem dann, wenn man dort ein eigentliches zweites Zuhause geschaffen hat und so etwas wie Luftwurzeln geschlagen hat. Sich aber trotzdem bewusst ist, nicht mehr als ein ThaiTuri zu sein.
Die Luftwurzeln helfen offener zu sein, auf Leute zugehen und sie richtig anschauen, sich nicht über alles und jedes in gutschweizerischer Mentalität aufregen – so helfe ich mir selbst, verstehe nicht nur die Komplexität Thailands besser, sondern nehme viel für mein Leben mit nach Hause. 

Thailand, Land of Smiles: Lächeln sie nicht alle irgendwie?
Sich nicht darüber zu ärgern, dass der Anzug beim Inder an der Soi 4 15 Franken teurer war als beim Inder an der Soi 5. Viel interessanter ist herauszufinden, wie und durch wen der Stoff, den man sich ausgesucht hat, zu einem Anzug wird. Hat man das Glück wie ich zu wissen, wo, unter welchen Bedingungen und zu welchen Salären die Schneiderinnen mein gutes Stück erstellen, sind einem die 15 Franken egal und man bemüht sich sogar, den Weg zur Schneiderin zu finden, um ihr ein Extra-Trinkgeld geben zu können. 

So trägt man Zuhause nicht nur einen Massanzug, sondern ist sicher, dass man in der Herstellungskette für etwa mehr monetäre Gerechtigkeit gesorgt hat. Kaufe ich meine Klamotten in der Heimat habe ich diese Möglichkeit meist nicht so ohne weiteres. Die Kleider in unseren Läden werden oft genug zu weit aus schlechteren Bedingungen hergestellt als in Thailand. Dieses Wissen dauernd mit sich herumzutragen, ohne viel dagegen tun zu können, führt bestenfalls zu einer mittleren Depression, aber kaum zu einer positiven Änderung. 

Wenigstens in meinen Ferien in Thailand kann ich das, sofern ich mich nicht über die 15 Franken ärgere, sondern mich bemühe, den Kontext zu erfahren. Das Lächeln der Schneiderin ist übrigens gratis - und es wird viel gelächelt in Thailand, dem Land of Smiles. Kann man das Lächeln lesen, sieht man ein dankbares, freudiges und ganz besonderes Lächeln. Nicht des Geldes wegen, sondern wegen der Anerkennung der Arbeit, die man auf diesen Weg gibt. Thais sehen tiefer als wir und erkennen mehr. 

Das Lächeln ist eine Sprache und das tiefer Sehen eine Notwendigkeit. Aber davon später mehr.


Donnerstag, 31. Januar 2013

Daga Bu oder Thinglisch für Reisen nach Thailand

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Es gibt das englische Englisch, das amerikanische Englisch und noch andere mehr. Eine nur gesprochene Variante ist Thinglisch oder Thai-Englisch. Aus Spider (Spinne) wird Sa Paider, aus Radio ein La Di O und der Weg zur Disco wird gezeigt, wenn man weiss, was Dis E Go bedeutet.

Handeln in Thinglisch macht den Preis: auf dem Nachtmarkt in Hua Hin.
Liest sich einfach, hört sich dann aber im Mix mit richtigem Thai und im Thai Slang ausgesprochen doch gewöhnungsbedürftig an. Im Laden und an Verkaufsständen verfügen Verkäuferinnen wie Verkäufer meist über ein bescheidenes Englisch Vokabular und sprechen es in Thinglisch aus.

"Sir, cheap, mai peng", also "günstig, nicht teuer". "Cost only song loy and fifty Bath" – "kostet nur 250 Baht".

Same same but different

Mann möchte ein dunkel kariertes Hemd mit langen Ärmeln in XXL kaufen. Die Verkäuferin entgegnet mit: "Soly, no have, mai mi. Here same same but different" und zeigt ein hell gestreiftes Kurzarmhemd.

Strandbar auf Koh Lanta
Eben ein Hemd, aber leicht abweichend von dem was man eigentlich will. Meist gefolgt von einem bezaubernden, herzlichem Lächeln und dem Hinweis "Looping better for you, ai sink. Suai dee for you, make you handsome and happy, belif I no".

Irgendwie, und es kostet ja auch nicht viel und vielleicht hat sie ja recht, kauft man das Teil. Zuhause stellt Mann fest: sie hat recht, es sieht gut aus und man fühlt sich wohl darin.

Oder Mann hat noch nicht genug Thai Mentalität. Er kann sich nicht selbst überlisten und hat ein Kleidungsstück mehr, das im Kleiderschrank sein Dasein fristet. So wie beim griechischen Wein. Der hat in Griechenland in den Ferien doch so gut geschmeckt und füllt zu Hause den Vorrat an Essig.

Für den Thai Wortschatz: Daga Bu

Freund Peter wollte letzthin ein schwarzes Sportshirt kaufen. "Ohh, soly, black not have, but daga bu." 

Er schaute die Verkäuferin offensichtlich irritiert an, denn sie sagte heftig gestikulierend: "Damm mai mi, mi daga bu."

Er kramte seine gesamten Thai Kenntnisse zusammen und übersetzte für sich "schwarz hab ich nicht, aber... daga bu" und fragte: "Gaga bu?" 

"No, Sir: DAGA BU." 

Etwas ungeduldig nahm sie ein Sportshirt in dunkelblau und sagte: "Daga Bu!". 

Jetzt war alles klar und er antwortete: "Ah, dark blue, you mean." 

Sie: "Tschai Sir, DAGA BU!"
 

Er: "Yes, your english is very well, but this color is DARK BLUE."

"Soly Sir, I no it and keep DAGA BU. I make good price for you, only for you two hundred isip sam (223) Bath for a special sportshirt in DAGA BU, DAGA BU. Ok, Sir?" 

Und schenkte ihm ein nettes, versöhnliches Lächeln. Er lächelte fröhlich zurück, zahlte und war um ein amüsantes Erlebnis reicher.


Das Shirt hat er noch immer und wenn er sich darin im Fitness abmüht und eigentlich nicht mehr kann, sagt er sich nur: "Du trägst das DAGA BU Wundershirt, weiter geht's!"

Samstag, 5. Januar 2013

Ins Auge geblickt und reflektiert

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Nun lebe ich schon 1 Jahr in Thailand. Am 31. Dezember 2011 bin ich mit einem Koffer und Handgepäck in meinem neuen Lebensabschnitt gelandet. Ja, diesen Blog wollte ich doch eigentlich schon letztes Jahr beginnen, aber irgendwie war da einfach der Wunsch, erst mal so richtig nichts zu tun und nicht viel in irgendwelche Computer und Gadgets zu gucken.


Frisch gefischter Tintenfisch. Gleich geht's auf den Grill.
Natürlich hatte es seinen Grund, am letzten Tag des Jahres zu kommen. Denn meine Frau Ann hat an diesem Tag Geburtstag - so konnten wir gemeinsam feiern und um Mitternacht auf das erste Jahr miteinander in Thailand anstossen.

Angekommen


Die ersten Monate verbrachten wir pendelnd in Bangkok und Hat Yai. In Bangkok's Klong Samwa Bezirk besitzt meine Frau ein Reihenhaus, dort leben ihre Tochter und Schwester. Das war die ideale Basis, um all die Behördengänge anzugehen. Genau, es gab trotzdem was zu tun.

So hiess es Anmelden bei der Schweizer Botschaft, anerkannte Übersetzungen für Thai und Schweizer Behörden zu beschaffen und letztendlich Jahresvisum wie Thailändisches Hausbuch zu beantragen. Ende März war es dann soweit und ich war stolzer Besitzer aller Dokumente, um einfach im LOS, Land of Smiles, leben zu können.


Meiner Frau gehört eine kleine Kautschukplantage in ihrem Herkunftsort nahe der Grenze zu Malaysia. Ursprünglich hatten wir geplant, dort ganz tief im Süden Thailands unsere Zelte aufzuschlagen. Deshalb fuhren wir bald schon im Januar das erste Mal nach Hat Yai, der grössten Stadt in Südthailand, nicht weit weg von der Plantage, und mieteten uns ein Appartement, um den Hausbau anzugehen.

Da die politische Lage dort aber immer angespannter wurde (und immer noch ist) und es im Frühjahr 2012 im Zentrum dieser 200'000 Einwohner Stadt einen Bombenanschlag mit mehreren Toten gab, entschieden wir, die Plantage weiterhin bearbeiten zu lassen und uns an einem anderen Ort niederzulassen. 

Auf unserer Hochzeitsreise waren wir einige Tage in Ban Krut. Ban Krut ist ein kleiner Ort, liegt rund 400km südlich von Bangkok an einem 12km langen Strand. In den letzten Jahren sind hier einige Resorts entstanden, im September 2011 ging sogar ein 7-Eleven auf, aber noch immer ist es ein wunderbar ruhiger Ort mit hoher Lebensqualität.




Schon im Februar waren wir wieder für einige Tage hier, kamen dann im April zum Thai Neujahrsfest, Songkran, wieder, beide Male noch ohne irgendwelche Absichten. Nach dem Bombenanschlag sind wir dann wieder hin und haben uns dabei etwas umgeschaut - und seit Ende Mai 2011 sind wir stolze Besitzer eines unweit vom Strand liegenden Hauses mit Meerblick.



So schön kann das Leben sein

Einfach Zeit für sich und für einander haben, Pläne nach eigenem Gusto schmieden und umsetzen. Das macht schon unglaublich viel Freude und unglaublich glücklich.
So schön kann das Leben sein: morgens früh um 7 auf dem Wat Thong Chai.

Meine Träume haben sich bisher mehr als erfüllt und so blicke ich gerne auf mein erstes Jahr im neuen Lebensabschnitt zurück und freue mich aufs Zweite. Ja, und mehr aus meinem Leben als Farang in Ban Krut gibt's ab sofort regelmässig in diesem Blog.

Sylvester 2012: zum ersten Mal am letzten Tag eines Jahres in kurzen Hosen am Strand.