Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Einmal Schweiz und zurück

1 Kommentar :
Ferien von den Ferien. Tönt gut und stimmt. Nach eineinhalb Jahren wieder dorthin, wo sich beinahe 50 Jahre mein Leben abspielte. Wie fühlt sich das wohl an? 
Kuh Schweiz
Da guckst du: nach eineinhalb Jahren in Thailand Schweizer Klischees auf der Spur.
Flughafen Don Muang in Bangkok. Ann, meine Frau reist das erste Mal aus Thailand aus. Schon jetzt dick eingemummt in Jeans mit langen Hosen und geschlossenen Schuhen. Unterleibchen, Bluse, Pullover und Schal. Schliesslich gibt's ab hier nur noch Klimaanlage und gemäss Wetterprognose Ende Mai zum Trotz lausige 6 Grad in der Schweiz. 

Erstmal nach Singapur mit Air Asia. Schöner Flug, einfache Einreise und schnell zum Early Check-in der Swiss, damit wir noch die Gratis-Stadtrundfahrt mitmachen können. 

Aber oops - Stand-by

Wir haben sehr günstige Freundes-Tickets meines Schwagers, der bei der Swiss arbeitet. Der Flug ist sehr gut gebucht, wir sind trotz erfolgreichem Einchecken im Web auf Stand-by. Keine Stadtrundfahrt, dafür warten im Check-in Bereich. Ann ist tüchtig genervt. So hatte sie sich das nicht vorgestellt, ist den Tränen nahe. Das erste Mal auf grosse Reise und dann das.

Immerhin, wir dürfen mit in den Jet. Wir sehen auch vom netten Transitbereich des Changi Airports nichts, da wir keine 40 Minuten mehr bis zum Abflug haben. Hetz, hetz und wir sitzen zuhinterst im Airbus. Vorteil WC und Getränkestation gleich um die Ecke, Nachteil tüchtiges Kaltgebläse aus der Klimaanlage.

Nach gutem Essen mit geniessbarem Wein gut eingewolldeckt eingeschlafen und über Wien wieder erwacht. Wie immer kann ich auch in der Holzklasse gut schlafen. Auch Ann hat's einigermassen schlafend überstanden und lächelt mich an. 

Morgenessen und im Regen von Kloten gelandet. SMS an die Eltern, dass alles gut gegangen ist. Passkontrolle auch für Ann kein Problem, das Gepäck kommt schnell, noch durch den Zoll und da steht schon Freund und ThaiTuri Peter morgens um sieben.

Ab nach draussen, in die Kälte. Wirklich frostig und die erste Zigarette nach 12 Stunden schmeckt wie immer irgendwie anders als sonst. 

Ann ist ganz aufgeregt, kann das wirklich so kalt sein? Schon wieder drinnen, erst mal einen guten Espresso mit richtigem Croissant geniessen. Schmeckt richtig gut. 
Schmeckt und kostet ganz schön: Espresso und Gipfeli am Flughafen.
Etwas plaudern, Ann kennt und schätzt Peter schon aus unseren Treffen während seiner Ferien in Thailand. Espresso und Croissant Nummer zwei. Zahlen. Okay, das ist Schweiz - für das Geld hätten wir drei in Thailand ein Festessen genossen.

Schon sitzen wir im Auto, beinahe wäre ich auf der falschen Seite eingestiegen. Schaut doch noch gleich aus. Wie früher nach den Ferien, gleicher Stau am Limattaler Kreuz, gleiche Häuserlandschaft links und rechts, Kehrichtverbrennungsanlage Zürich vor uns. Aber da, kein Coop City mehr im ehemaligen Media Markt in Dietlikon. 

Und ganz schön grün, so richtig saftig grün ist alles, nachdem das Brüttiseller Kreuz hinter uns liegt und der Thurgau naht. Ann guckt begeistert durch die Scheibe. 

Extrem anders als Thailand, die Schweiz in Vorbeifahrt. So schön, so frisch, so aufgeräumt. So exotisch.

So exotisch und idyllisch: Am Bettenauer Weiher bei Uzwil.

Appenzell
So aufgeräumt und gepützelt: Downtown Appenzell. 

Klausenpass
So exotisch, wie gemalt, meint Ann: Bergwelt auf dem Klausen.

Willhelm Tell Denkmal
So exotisch, und aus Skandinavien importiert: Tell und sein Denkmal.

Appenzeller Chor
So exotisch, und für die Exotin: Appenzeller Chor im Garten.

So frisch und exotisch: Kuhweide bei Weinfelden.

So exotisch: Bundeshaus Bern, ohne Guards und frei zugänglich.

So exotisch: Kurzzeitälpler am Greyerzersee.
So war das 2013. Inzwischen waren wir zum zweiten Mal wieder in der Schweiz, die Exotik für Ann bleibt. Sie meint, wäre sie in der Schweiz geboren, würde sie nie woanders leben wollen. Aber jetzt dorthin hin ziehen? Nein, dafür liebt sie Thailand zu sehr. Auch wenn's nicht so sauber ist, das Land des Lächelns mitunter nicht sein Lächeln zeigt.

Ich liebe die Schweiz. Und lebe sehr gern Thailand. Weil es mir das Leben ermöglicht, das ich lebe. Nicht so aufgeräumt, aber so entspannt, so befreit von Burnout. So exotisch. 

1 Kommentar :

  1. Sehr schöne Umkehrung des Begriffes Exotik. Es ist eben immer das andere, welches uns staunen lässt.
    Wie es so schön in einem Sprichwort heißt: Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite des Berges

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