Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

Montag, 29. September 2014

Fon, die Schweinezüchterin aus Ban Krut

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Eigentlich war es nur ein Zufall. Fon hatte einem Nachbarn finanziell ausgeholfen. Als er nicht zurückzahlen konnte bot er ihr statt Geld ein Dutzend seiner wenigen Tage alten Schweine an.

Fon, die Schweinezüchterin aus Ban Krut
Streicheleinheiten für ihre Tiere.
Kurz überlegt und nachgefragt, wie das denn genau mit der Aufzucht und dem Preis für Schweine so wäre, nahm sie an. Deutlich mehr als die geliehene Summe zu erhalten, auch wenn mit Arbeit verbunden, schien erstrebenswert, ein guter Zinsertrag.

Da sie den Stall des Nachbarn benutzen konnte, musste sie nur in Futter und täglich wenig Pflege investieren. Es machte Spass. Die Ferkel gediehen prächtig und nach vier Monaten wogen sie 100 Kilo. So, wie es sein muss.

Ban Krut Schweinestall
Wie die Kühe in Europa, hören auch die Schweine in Thailand gerne Musik.
70 Baht pro Kilo bei 12 Schweinen, eine wirklich schöne Stange Geld, dachte Fon. Und dachte an die Ausbildung ihrer zwei halbwüchsigen Söhne und der 14-jährigen Tochter. Ihr Mann war nicht gleich begeistert. Erst vor kurzem in Rente gegangen, sah er seine Frau nur noch arbeiten.

So hatte er sich sein Leben in Thailand nicht vorgestellt. Also gut, es sind ja nur wenige Stunden pro Tag, da bleibt genug für Gemeinsames und ich kriege gleich Zeit für mich, dachte er. Ganz schön bewundernswert, wenn man weiss, dass er Vegetarier ist und Tiere lieber frei herumlaufen sieht.

Nicht ganz so artgerechte Haltung wie in Europa

Denn Schweinehaltung in Thailand hat wenig mit artgerechter Haltung zu tun, wie dies in Deutschland oder der Schweiz propagiert und durchgesetzt wird. Die Ställe sind klein, Auslauf gibt es keinen und die Muttersäue werden gerne in einen Käfig gesetzt, in dem ausser Fressen nicht viel Bewegung möglich ist.

Schweinestall Thailand
Pro Stallabschnitt hält Fon Tiere des gleichen Alters.
Aber in einem Land, in dem Bauern nur noch sehr wenig Geld für ihren Reis erhalten und Kokosnüsse wie Kautschuk auch nicht mehr so viel hergeben, zählt das nicht so sehr. 

Sie denken, zurecht, erst Mal, wie sie sich selbst halten können. Fon ist in dieser Umgebung aufgewachsen. Als Bauernkind gross geworden hat sie selbst erlebt, wie schwierig es ist, sich alleine mit drei Kindern ein anständiges Leben leisten zu können.

Los ans Werk. Drei aneinander grenzende Ställe mit gemeinsamem Dach wurden gebaut. Das geht hier schnell und braucht keine Baubewilligung. Kleines Fundament, Boden betonieren, Mauer auf gut einem Meter Höhe rundum und Wellblechdach drauf, fertig. Praktisch, Fons Bruder konnte das gleich selbst machen.

Biofleisch wär's doch

Mutterschwein, Ferkel und Futter gekauft, die Aufzucht ging richtig los. Wirklich gut, auch wenn ein paar Probleme auftauchten. Infektionen, die behandelt werden mussten. Ein Wurf mit 13 Jungtieren, die Mutter hat nur 12 Zitzen. Aber der Aufwand lohnte, für den Verkauf gab es gutes Geld.

Schweinestall Thailand
Stallungen unter Palmen. Drei neue kommen hinzu.
Fon erweiterte, baute weitere Ställe. Auch gerade jetzt kommen nochmals drei dazu. Schön im Monatsabstand wirft eine der Mutterschweine ein gutes Dutzend Jungtiere. Sie werden aufgezogen, nach vier Monaten und genügend Gewicht auf den Rippen verkauft. So gibt’s jeden Monat auch Einkommen.


Transport Schweine Thailand
Und ab geht's zum Metzger.
Wer weiss. Vielleicht bekommen die Schweine bald nicht nur die liebevolle Pflege von Fon, sondern auch Auslauf unter Palmen. Biofleisch aus artgerechter Tierhaltung in den Tropen. Dann wird auch ihr Mann gerne öfter bei den Schweinen vorbeischauen.


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