Aus meinem Leben als Schweizer in Thailand.

Sonntag, 31. März 2013

Arbeiten in Thailand 1 - der ThaiTuri wagt's

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Sonntag, es ist kalt draussen, grau in grau, jeden Moment beginnt es zu regnen. „Das passt ja perfekt zur vergangenen Arbeitswoche, muss das wirklich sein?“

Arbeiten in Thailand: Für Handwerker genügen bei 30 Grad Flip Flops.
Arbeiten in Thailand, meinem Ferienland. Wäre das nicht perfekt? Klar, top wäre es, den guten Schweizer Job in Südostasien ausüben zu können. „Muss nicht unbedingt sein“, denk ich mir, „eine einfache Tätigkeit mit einem monatlichen Zustupf aus dem Ersparten..“

Genau hier platzt mein Traum und ich werde abrupt in die Wirklichkeit zurückkatapultiert. Erstens reicht das Ersparte kaum und zweitens: Ich war einen Tag angestellt als Küchengehilfe eines kleinen Restaurants mit Catering Service. Zu den in Thailand üblichen Konditionen. 

Wie in den meisten anderen Ländern auch, gilt für Touristen in Thailand ein Arbeitsverbot. Mein damaliger Chef, eigentlich mein Schwager, und ich einigten uns deshalb, den Tagesverdienst von 400 Baht, umgerechnet 12 Franken, und den Trinkgeldanteil einem bekannten Kinderheim zu spenden.

Arbeit ist eine auf Einkommen gerichtete Tätigkeit. Ohne Einkommen keine Arbeit und ohne Arbeit kein Arbeitsverbot. Tönt gut, wird im Zweifelsfall wohl nicht weit reichen. Sicher nicht in Thailand, da landet man ohne Workpermit bei einer Kontrolle einfach mal im Gefängnis. Im Zweifelsfall genügt schon das Sitzen am falschen Platz im Restaurant, das einem gehört und von der Ehefrau betrieben wird.

Arbeitsbewilligung oder Workpermit Thailand

Voraussetzung für eine Arbeitsbewilligung oder das Workpermit in Thailand ist ein Business Visum, das sogenannte Non O Immigrant Visa B. Auf dieser Basis kann eine Firma – es muss eine Firma sein, nicht der Antragssteller selbst - ein Workpermit beantragen.

Die Firma muss begründen, weshalb sie für diese Arbeit einen Ausländer benötigt und nicht einen Thai anstellen kann. Erschwerend kommt dazu, dass es eine ganze Menge an Berufen gibt, die Thais vorbehalten sind. Darin enthalten sind beinahe alle handwerklichen Tätigkeiten, aber auch Taxifahrer, Reiseführer und viele mehr.

In einer Bewilligung wird genau festgehalten an welchem Ort und welcher Arbeit nachgegangen werden kann. Die Firma muss pro Arbeitsbewilligung für einen Ausländer vier Thais anstellen. Der Ausländer selbst wird steuerpflichtig, da die Thai Behörden nicht annehmen, dass er für einen Thai Lohn arbeiten wird. Ab einem Einkommen von 150'000 Baht pro Jahr, rund 4'500 Franken, werden 15% Steuern fällig.

Die Arbeitsbewilligung gilt für ein Jahr und ist unabhängig von der Gültigkeit des Einreisestempels.

Catering für 200 Personen – Anweisungen gibt's in Thinglish und Thai

Der Auftrag war, ein Abendbuffet für eine Hochzeitsgesellschaft von 200 Personen zu kochen. Mein Schwager Cop führt sein kleines Restaurant zu zweit. Für grosse Anlässe wie diesen greift er auf sein grosses Netzwerk zurück. Dieses Mal versagte seine Organisation und so kam ich, der ThaiTuri, ins Spiel. Als einmalige Verwandtenhilfe, ein normales, legitimes Handeln oder nicht?
ThaiTuri Peter's Arbeitsort in Thailand: schöner Flecken für Gäste.
12.15 Uhr. Die Crew erreicht einen privates Grundstück ausserhalb der Stadt, direkt am Meer. Dieser schönen Ort kann mit der gesamten Infrastruktur gemietet werden. Für eine Hochzeit genau richtig. Ruhig, romantisch und mit allem ausgestattet, was es für ein rauschendes Fest braucht.

Die Küche ist ein kleiner Raum mit ein paar Abstellmöglichkeiten, Licht, Wasser und Waschbecken, fertig. „Na toll, um 18.30 Uhr kommen 200 gut gelaunte, hungrige Hochzeitsgäste.“ Mit mir stehen fünf Personen im Raum mit fast nichts drin. Chef Cop meint: „Peter, hol mal die Plastiktasche mit den gekühlten Getränken und den Snacks für aus dem Auto. Vor der Arbeit erst mal stärken.“ Die Anweisungen gibt’s für den ThaiTuri in Thinglish und Thai.

Wie alle Thais wird mein Schwager nur mit seinem Kosenamen gerufen. Cop bedeutet übersetzt Frosch – witzig, welche Namen Eltern in Thailand ihren Kindern geben. Was er als kleiner Bub wohl so angestellt hat? 

Der ThaiTuri kommt ins Schwitzen

13.00 Uhr, 5 1/2 Stunden vor dem Countdown. Cop: „So Leute, los geht’s, ihr wisst wies läuft, Peter hol alles, was schwer aussieht, aus dem Auto. Jemand von uns sagt dir dann, wohin damit.“ Eine große Kiste mit irgendwas elend Schwerem drin in den Händen haltend: „Ki-Kiste. Wo?“  „Moment.“ Ich halte die mindestens 1’000 Kilo schwere Kiste ein gefühltes halbes Jahr und warte. „Peter. Kiste. Hier. Hinstellen.“  „Kap, kap.“ Ich gehe, stolpere leicht. Vermute, ich sei über meinen mittlerweile gewachsenen Bart gestolpert. Der Bart entpuppt sich als kleiner Hund, der nicht erfreut über die Störung zu reklamieren beginnt. „Peter. Gasflaschen.“ Drei riesige Stahldinger und drei große Torpedos. „Hier die Flaschen. Gasbrenner da.“


Lebensmittel werden ausgepackt, alles ist frisch oder tiefgefroren und unbearbeitet. Einzige Ausnahme sind die 30 Kilo Shrimps, welche am morgen kochfertig vorbereitet wurden.

13.45 Uhr, der Countdown steht bei 4 3/4 Stunden. Die Küche ist jetzt eingerichtet und vier Personen arbeiten Hand in Hand, konzentriert, ruhig und - so scheint es - gemächlich. Aber jeder Handgriff sitzt, es sieht aus wie ein Puzzle, bei dem ohne Suchen jedes Teil genau weiß, wo es hingehört. Die fünfte Person der Crew steht mit schweiß nassem T-Shirt im Schatten und gönnt sich ein Glas Wasser, während er auf weitere Instruktionen wartet. 

ThaiTuri Peter's Frau Siren: Erste Gerichte sind bereit.
Die folgen bald. „Peter, hier, Limetten so schneiden, dann so in Presse legen, dann Hebel so runterdrücken.“ Ich schaue zu und mach das Gezeigte nach. „Genau, gut, weitermachen. Mit allen Limetten, hier.“  6 Säcke zu je fünf Kilo Limetten warten auf mich. Zerschneiden, Pressen, Saft in die Schüssel. Die ist sehr groß und soll voll werden. „Das Teil hat wohl ein Loch.“ Denk ich mir. Und gestehe, dies wirklich kontrolliert zu haben. Es hatte keins und ja, ich füllte die Schüssel.

Immerhin gab's in der (Wasch)küche ein Waschbecken.
16.45 Uhr, noch 1 3/4 Stunden. In der Küche brutzelt und kocht es, zu den 32° Außentemperatur kommt die Hitze des Kochens und der drei Gasbrenner hinzu. Der Wasserdampf möchte wohl für zusätzliche Stimmung sorgen und erhöht die eh schon hohe Luftfeuchtigkeit auf 120%. Der kleine Küchenraum platzt aus allen Nähten. Alle arbeiteten auf sehr kleinen Arbeitsflächen. Es ist eng, stickig, viele Küchen- und Kochgerüche steigen gleichzeitig in die Nase. Dann die Hitze in dieser Waschküche: Hilfe ich bin in einem Tumbler, holt mich hier raus. Es fehlt nur, dass er sich zu drehen beginnt.

„Du machst das freiwillig, so schlimm ist es nicht und schlimmer wird es nicht mehr werden.“
   
Leider ein Irrtum. Weshalb und warum es besser ist, eine Flasche Reisschnaps als zwei Flaschen Bier zu kaufen, folgt in Teil 2: Arbeiten in Thailand - der ThaiTuri übersteht's.

Kommentare :

  1. ...Da bin ich aber auf den zweiten Teil gespannt! :)

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  2. Hast du Arbeit für mich ? mikegubler07@web.de

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